Artikel veröffentlicht am: 24. Mai 2018

Dividendenstrategie: So wählst du die richtigen Aktien aus

Was ist überhaupt die Dividendenstrategie?

Wer im Internet nach der „Dividendenstrategie“ sucht, wird mit einer Vielzahl verschiedener Ansätze konfrontiert. Bücher, Blogs, Fondsgesellschaften, ETFs – sie alle rückten das Thema Dividende in den letzten Jahren wieder deutlich stärker in den Fokus der Anleger.

Angetrieben wurde diese Entwicklung durch einschlägige Medien, die die Dividende zum neuen Zins und der Alternative zu niedrig verzinsten Sparbüchern gemacht haben.

Doch was ist eigentlich unter dem Schlagwort Dividendenstrategie zu verstehen? Es versteht sich von selbst, dass sich bei dieser provokativen Fragestellung nicht nur einen Weg gibt. Neben dem Fokus auf die Höhe der (hoffentlich) regelmäßigen Ausschüttungen steht vor allem die Kontinuität der Dividendenzahlungen im Fokus.

Besonders die sog. Dividenden-Aristokraten haben es den Anlegern angetan. unter einem Dividenden-Aristokraten versteht man ein Unternehmen, welches, über einen langen Zeitraum, kontinuierlich Dividenden zahlt, ohne die Höhe der Ausschüttung zu reduzieren (idealerweise sogar nur zu steigern).

Lang bedeutet in diesem Kontext einen Zeitraum von 25 Jahren. In der Regel finden sich diese Werte in den USA. Dies liegt vor allem in der hohen Bedeutung der Dividende für die US-amerikanische Altersvorsorge begründet.

Die Motivation der Anleger in der Dividendenstrategie kann unterschiedliche Beweggründe haben: Während einige ausschließlich auf die Höher und Regelmäßigkeit der Ausschüttungen im eigenen Depot schauen, steht für andere die Gesamtrendite des Portfolios im Vordergrund. Der zweite Ansatz ist definitiv vorzuziehen, da im Notfall auch durch Verkäufe von einzelnen Aktien die Liquidität verbessert werden kann.

Wo kommt die Dividende her?

Ein wichtiger Faktor, der von vielen Neuinvestoren vernachlässigt wird, ist die Herkunft der Dividende. Was ist überhaupt eine Dividendenzahlung?

Die Dividende ist ein Teil des Unternehmensgewinnes, der an die Eigentümer im Gegenzug für die Bereitstellung von Kapital ausgeschüttet wird.

Dieser Punkt ist immens wichtig! Die Dividende ist mittelfristig immer an den wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens gekoppelt. Die wirtschaftliche Situation darf in der Analyse also keinesfalls vernachlässigt werden. Ein Blick auf die Dividendenhistorie ist somit nicht ausreichend. Die Betrachtung des Cashflows ist somit ein fester Bestandteil der Aktienanalyse.

Dennoch ist die Dividende eine der „fairsten“ Kennzahlen zur Bewertung von Unternehmen. Anders als für den ausgewiesenen Gewinn eines Unternehmens gibt es bei der Zahlung der Dividende keinerlei Gestaltungsspielräume. Um eine Dividende an die Aktionäre zahlen zu können, muss das Geld vorher in bar auf dem Konto des Unternehmens liegen.

 

Kriterien für Dividenden-Aktien

Im Folgenden stelle ich dir einige Kriterien für deine eigene Aktienanalyse vor.

Dividende

Am Anfang steht der Blick auf die Dividende und alles was damit einhergeht. Hier gilt es zuerst zu prüfen, ob das Hauptkriterium der Dividendenstrategie überhaupt erfüllt ist. Die drei Parameter der Dividenprüfung umfassen dabei die Dividendenkontinuität, das Dividendenwachstum und die Dividendenrendite:

Dividendenkontinuität

Als Richtwert schaue ich auf einen Zeitraum von 10 Jahren in welchem die Dividenden regelmäßig erhöht worden sein sollten. Über gelegentliche Nullrunden kann ich hierbei hinwegsehen. Im Großen und Ganzen sollte sich die Dividende allerdings positiv entwickeln. Kürzungen oder sogar ein Totalausfall der Dividende sind dabei ein K.O.-Kriterium.

Dividendenwachstum

Das Dividendenwachstum sollte auf jeden Fall nach oben zeigen. Bei der Betrachtung eines 10-Jahres-Zeitraums sollte sich die Dividende etwa verdoppelt haben. Dies entspricht einem jährlichen Wachstum von ca. 7,2%.

Dividendenrendite

Der dritte Faktor umfasst die aktuelle Höhe der Dividende, die Dividendenrendite. Hier achte ich auf Renditen von mindestens 2%. Je geringer die Anfangsrendite, desto länger dauert es bis wir einen nennenswerte Ausschüttung erreicht haben.

Geschäftsmodell


Nachdem
die grundlegende Prüfung der Eignung als Dividenden Aktie abgeschlossen ist, geht es an die qualitative Betrachtung des Unternehmens. Wie oben schon angedeutet, ist es immens wichtig, dass wir immer im Hinterkopf behalten, dass wir in ein Wirtschaftsunternehmen investieren. Eine Aktie besteht nicht nur aus einem Kurs und einer Dividendenstrategie!

Wir schauen uns also das Geschäftsmodell genauer an. Dabei achte ich auf drei Punkte:

Als erstes muss das Geschäftsmodell leicht verständlich sein. Die Investment-Legende Peter Lynch prägte einst den folgenden Satz: „Investiere in Unternehmen, die auch von einem Idioten geführt werden können, denn eines Tages wird es einer tun.“

Wenn du also nach einer Stunde immer noch nicht verstanden hast, wie das Unternehmen sein Geld verdient, dann lass es liegen und widme dich dem nächsten Unternehmen.

Der zweite Punkt ist die Zukunftsprognose. Prognosen sind schwer, vor allem wenn sie die Zukunft betreffen. Trotzdem gilt es zu prüfen, in welchem Umfeld sich das Unternehmen bewegt. Handelt es sich um Old- oder New Economy und welche Entwicklungen sind für die nächsten Jahre bereits absehbar?

Als dritten Punkt schaue ich mir den sogenannten Burggraben an. hat das Unternehmen einen Vorteil, der sehr schwer durch Wettbewerber angreifbar ist? als Beispiel möchte ich dir Apple nennen. Apple hat es geschafft, ein eigenes Öko-System zu kreieren, bei dem alle Geräte vom Tablet über den Fernseher bis hin zum Smartphone perfekt miteinander harmonieren.

Andere Anbieter werden nahezu ausgeschlossen. Wer also bereits mehrere Apple-Produkte besitzt, wird sehr wahrscheinlich nicht auf einen anderen Anbieter ausweichen. Darüber hinaus hat Apple eine unglaublich starke Marke geschaffen. Viele Apple-Nutzer sind keine einfachen Kunden, sondern Fans des weißen Apfels.

Die Analyse des Geschäftsmodells ist wichtig, gerade der zweite Punkt sollte allerdings nicht zu streng gehandhabt werden.

Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die technologische Entwicklung häufig eine ganz andere ist, als Experten erwartet hatten. Nichtsdestotrotz gibt es übergeordnete Trends und Themen, die mit Sicherheit einen hohen Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung der nächsten Jahrzehnte haben werden.

Die Finanzzahlen

Erst wenn ich nach den ersten beiden Punkten grundsätzlich vom Unternehmen überzeugt bin, werfe ich einen Blick in den Geschäftsbericht und die Bilanz des Unternehmens. Den Fokus lege ich dabei auf die Punkte Umsatz und Payout-Ratio:

Umsatz & Gewinn

Ein Unternehmen mit steigenden Umsätzen, ist in der Lage von seinen Kunden mehr Geld für seine (Dienst-) Leistungen zu verlangen. Auf welchem Weg das geschieht, ist mir im Grunde egal. Wichtig ist, dass die Umsätze steigen. Im zweiten Schritt muss aus diesen Umsätzen natürlich ein Gewinn resultieren.

Sprich es müssen Gewinne überbleiben und diese sollten zusammen mit den Umsätzen langfristig steigen. Andernfalls würde die gesamte Unternehmung keinen Sinn ergeben.

Im Idealfall haben sich die (durchschnittlichen) Umsätze in den letzten 10 Jahren mindestens verdoppelt. Dies würde einem soliden jährlichen Umsatzwachstum von ca. 7,2% entsprechen.

Payout-Ratio

Das Payout-Ratio gibt an, welcher Anteil des Gewinns bzw. Cashflow ausgeschüttet wird. Ist der Anteil zu hoch, kann das gefährlich werden, da dem Unternehmen kein Spielraum für Investitionen oder das Ansparen von Reserven verbleiben.

Aber auch ein zu niedriges Payout-Ratio ist negativ zu betrachten. Wenn z. B. nur 5% des Gewinns ausgeschüttet werden, kann das auf eine sehr geringe Wertschätzung gegenüber den Aktionären hindeuten.

Als grober Richtwert sollten ca. 25% bis 75% des Gewinns regelmäßig an die Aktionäre ausgeschüttet werden.

Auf den Cashflow bezogen, sollte der freie Cashflow ausreichen, um davon die Dividende zu bezahlen. Andernfalls würde die Dividende aus der Substanz, also aus den Vermögenswerten des Unternehmens gezahlt werden. Das kann nicht lange gut gehen.

Die aktuelle Bewertung des Unternehmens

Auch wenn es im Rahmen der Dividendenstrategie vor allem um regelmäßige Ausschüttungen geht, wollen wir diese natürlich nicht um jeden Preis einkaufen. Bildlich gesprochen wollen wir auf keinen Fall zwei Euro bezahlen, um am Ende 1 Euro zu erhalten.

Doch wann ist ein Unternehmen günstig bewertet oder zu teuer? Die Antwort auf diese Frage ist leider nicht so einfach zu beantworten. Es gibt verschiedene Finanzkennzahlen die alle unterschiedliche Aussagekraft, Stärken und Schwächen haben. Neben dem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) kann zum Beispiel auch die Dividendenrendite ein Maßstab sein.

Dies sind die beiden Kennzahlen, die ich am häufigsten nutze. Wichtig ist, dass diese Kennzahlen nur mit Unternehmen der gleichen Branche verglichen werden. Es macht beispielsweise keinen Sinn das KGV eines aufstrebenden Technologie-Unternehmens, wie vielleicht Facebook, mit dem eines weltweit agierenden Rohstoffunternehmens wie z. B. BHP Billiton zu vergleichen.

Leider ist es nicht möglich generelle Aussagen zu treffen, welche Werte gut oder schlecht sind. Viele Studien haben sich mit dem Thema beschäftigt aber keine Lösungen gefunden. Hier gehören einfach logisches Denken und ein bisschen Erfahrung dazu. Im Folgenden findest du noch zwei Ansätze die du bei deiner Analyse betrachten solltest.

KGV in der Historie (Shiller-KGV)

Als erstes gilt es zu prüfen, wie das Unternehmen aktuell im Vergleich mit der eigenen Vergangenheit bewertet ist. Hierzu eignet sich z. B. das Shiller KGV. Das Shiller KGV ist das durchschnittliche KGV der letzten 10 Jahre. Darüber lässt sich prüfen, ob das Unternehmen zum jetzigen Zeitpunkt, verglichen mit der Vergangenheit eher günstig oder teuer bewertet ist.

KGV im Branchenvergleich

Neben der Zeitkomponente spielt auch der relative Vergleich mit Wettbewerbern eine Rolle. Hier kann das aktuelle KGV mit den Werten der Wettbewerber verglichen werden, um festzustellen, ob das Unternehmen innerhalb der Branche eher günstig oder teuer bewertet wird.


Wann solltest du Aktien verkaufen?

Die meisten Strategien geben zwar Hinweise auf den richtigen Kaufzeitpunkt, der Verkaufszeitpunkt wird hingegen häufig vernachlässigt. Auch wenn die Dividendenstrategie eigentlich eine Buy-and-Hold-Strategie ist, sollte ein Kauf natürlich nicht ausgeschlossen sein.

Wichtig ist, dass du für jede Aktie bereits vor dem Kauf festlegst, in welchem Szenario sie verkauft wird. Sobald eine Aktie in deinem Depot liegt, kannst du diese nicht mehr objektiv bewerten.

Ein häufig gewähltes Verkaufskriterium ist der Verkauf sobald das Unternehmen die Dividende kürzt. Ab diesem Moment ist das Hauptmerkmal der Dividendenstrategie verletzt und sie entspricht nicht mehr unseren Regeln.

Eine andere Möglichkeit ist es, bei der Veränderung von Finanzkennzahlen wie z.B. (langfristig) fallender Umsätze ein Unternehmen zu verkaufen. Hier gehört sehr viel Fingerspitzengefühl dazu, weil nur die langfristige Entwicklung wirklich relevant ist. Gehen die Umsätze nur mal in einem Jahr zurück, ist das natürlich nicht weiter schlimm.

Fazit

Die oben aufgeführten Punkte sind Faktoren, die ich selbst bei meinen Investments berücksichtige. Keiner der obigen Punkte ist in Stein gemeißelt. Die Dividendenstrategie ist kein mechanisches Handelssystem, welches nach fest definierten Regeln kauft und verkauft.

Die subjektive Bewertung der Unternehmenssituation, sowie die Interpretation des Zahlenwerks spielen bei der Dividendenstrategie eine wichtige Rolle.

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