Artikel veröffentlicht am: 24. Mai 2018

P2P-Lending – der neue Trend, der hohe Renditen verspricht

P2P-Lending – der neue Trend, der hohe Renditen verspricht

P2P-Lending ist eines der Topthemen in der Fintech-Szene. Die ersten Marktplätze für P2P-Kredite gingen in Deutschland im Jahr 2008 an den Markt. Seitdem ist die Branche explodiert – nicht zuletzt, weil der Trend der Privatkredite hohe Renditechancen verspricht, während Geldanlagen wie Tages- und Festgeld nicht einmal einen Inflationsausgleich liefern.

Wir geben einen Überblick über die Branche, die das Potenzial hat, den Finanzmarkt kräftig aufzuwirbeln, in Deutschland jedoch noch kaum Beachtung findet.

Wie eine Studie der University of Cambridge zeigt, ändert sich dies jedoch gerade: Der Markt in Europa wuchs zuletzt um 144 %, im Bereich der KMU gar um 272 %.

Deutschland ist inzwischen der drittgrößte Markt für Crowdfunding in Europa, das Crowdlending dabei ein wesentlicher Wachstumsmotor, liegt mit einem Volumen von 86,5 Mio. € dabei jedoch noch weit hinter dem Vereinten Königreich zurück (1,75 Mrd. GBP).

Was ist P2P-Lending?

P2P ist gemeinhin die Abkürzung für „peer-to-peer“, was nichts anderes bedeutet als der direkte Weg von einem zum anderen, ein Kredit unter Gleichgestellten. Die Kreditvergabe kommt hier ohne eine Bank aus, die Rendite ist den Anlegern bereits von Beginn an bekannt. Der Vorteil: Kreditnehmer sparen Zinsen, Investoren erhalten höhere Renditen als bei klassischen Geldanlagen.

Im Prinzip ist P2P-Lending, das auch als Social Lending (meist bei Krediten für Entwicklungs- und Schwellenländer ohne Gewinnerzielungsabsichten) oder Crowdlending bezeichnet wird, eine Unterform des Crowdfundings.

Das ist für Kreditnehmer häufig eine Alternative, wenn die Bank nicht bereit ist, einen Kredit zu gewähren. Das können Privatpersonen sein, aber auch Start-ups und mittelständische Unternehmen.

Grundsätzlich lassen sich zwei Modelle unterscheiden: Das Marktplatz-Modell, bei welchem Anleger und Kreditsuchende zusammenkommen, die sich nicht kennen, und das Family-and-Friends-Modell, das Familienmitgliedern bei der Abwicklung von privaten Krediten unterstützt und damit eine rechtliche Absicherung bietet.

P2P-Lending entwickelt sich

Die private Form der Kreditvermittlung startete in Deutschland im Jahr 2008 und verzeichnet seitdem enorme Wachstumsraten, bleibt jedoch bislang hinter der Entwicklung in Großbritannien und den USA zurück, wo jährliche Zuwächse bei 100–200 % liegen.

Konsumentenkredit im Aufwind. Daten: The European Alternative Finance Benchmarking Report

 

So richtig steil wächst der Markt für Businesskredite. Daten: The European Alternative Finance Benchmarking Report

P2P-Lending hat dort – nicht zuletzt durch Steuerbegünstigungen – längst einen Marktanteil von 3 % am Gesamtvolumen unbesicherter Ratenkredite erreicht. Auch die britische Regierung nutzt selbst Marktplätze zur Kreditvergabe. Vom dadurch erzielten Kreditvolumen von knapp 2 Mrd. GBP kann Deutschland bislang nur träumen.

Deutschland ist vom Gesamtvolumen noch sehr klein, wächst aber ordentlich. Daten: The European Alternative Finance Benchmarking Report

Inzwischen haben die Online-Plattformen ein professionelles Niveau erreicht, Investmentprozesse wurden vereinfacht, die Transparenz erhöht. So bieten bereits einige europäische Plattformen Tools, um die Geldanlagen zu automatisieren. Die Geldanlage für Investoren vereinfacht sich mit diesen digitalen Helfern enorm.

Großbritannien führt Europa an. Daten: The European Alternative Finance Benchmarking Report

Wie funktioniert P2P-Lending?

Ein Kreditsuchender stellt auf einem Marktplatz ein Gesuch ein.

Der Marktplatzbetreiber überprüft die Identität, Bonität und weitere Angaben wie beispielsweise das Einkommen des Kreditsuchenden. Damit sinkt die Anzahl potenzieller Kreditnehmer um 80 bis 90 %, die verbleibenden Gesuche werden auf dem Marktplatz veröffentlicht, Anleger investieren im Gegenzug in diese Kredite.

Dabei stellt jeder Anleger nur einen Bruchteil des gesamten Kreditbedarfs zur Verfügung, der Marktplatz erhält eine Vermittlungsgebühr (bei auxmoney aktuell 2,95 % des Kreditbetrages, die der Anleger übernimmt).

So funktioniert P2P-Lending

Die Laufzeit liegt in der Regel zwischen einem und fünf Jahren, der Kreditnehmer zahlt in diesem Zeitraum jeden Monat eine gleich hohe Rate bestehend aus Tilgung und Zinsen an den Anleger zurück. Beide Parteien kommen dabei nicht miteinander in Kontakt und bleiben anonym.

Im Gesamtzeitraum des Kredites erledigt der Marktplatz die Abwicklung – das Einziehen von Raten, Ausschüttung der Zahlungen an die Anleger, gegebenenfalls Mahnungen und Inkassoverfahren.

Da in Deutschland laut der BaFin nur Banken Kredite vergeben dürfen, kooperieren deutsche Marktplätze hierzulande mit Banken (z. b. Auxmoney mit der SWK Bank), die den Kredit zur Verfügung stellen. Die Abwicklung erfolgt über den Marktplatz, die Forderungen stellen die Anleger.

Auswahlmöglichkeiten bei Krediten

Bei der Auswahl von Krediten stehen auf den Plattformen unterschiedliche Auswahlkriterien potenzieller Investitionen zur Verfügung:

  • Bonität (Schufa-Score)
  • Immobilienbesitz bzw. Belehnungswert der Immobilie
  • Einkommen
  • Alter
  • Schulbildung
  • Kreditprüfung durch den Marktplatzbetreiber

Nicht alle Marktplätze bieten die gleichen Auswahlmöglichkeiten an. Vorsicht geboten ist bei der Angabe der Nominalzinsen. Einige Anbieter locken Investoren mit hohen Zinsen. Profitieren lässt sich dabei von verschiedenen Zinsniveaus in anderen Ländern, in Deutschland sind diese für Kredite zum Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Banken vergleichsweise gering.

Welche Risiken gibt es bei P2P-Lending?

Sicherlich besteht das Risiko, dass Kreditnehmer ihre Raten nicht mehr zahlen können und damit ein finanzieller Ausfall entsteht. Da hilft auch der Marktplatz nicht, der sich um Mahnungen und Inkasso kümmert. Doch sollte jedem Anleger auch klar sein: Je höher das Ausfallrisiko, desto größer sind die möglichen Renditen.

Dabei unterscheidet sich die Ausfallquote je nach Marktplatz. Einige Marktplätze treffen strengere Vorauswahlen als andere. Hier sollten Anleger darauf achten, dass das prognostizierte Ausfallrisiko mit dem tatsächlichen übereinstimmt.

Ausfälle und damit verbundene langjährige Inkassoverfahren können dazu führen, dass das Kapital länger gebunden ist als ursprünglich vorgesehen.

Eine kleine zusätzliche Absicherung bieten jedoch Ratesetter und andere Anbieter: Der Anbieter hat mit dem Provision Fund im Jahr 2010 einen Rücklagenfond gebildet, mit dem Ausfälle finanziell abgedeckt sein sollen. Ein Modell, das mehrere Anbieter übernommen haben.

Neben dem offensichtlichen Ausfallrisiko bestehen jedoch weitere, vor allem plattformbedingte Risiken. Diese kann unter Umständen nicht mehr in der Lage sein, den Betrieb aufrecht zu erhalten.

Außerdem gab es in der Vergangenheit immer wieder Fälle betrügerischer Angebote (z. B. der schwedische Marktplatz Trustbuddy) sowie – wie bei allen Onlineangeboten – durch Hacker. Es schadet nicht, vor der Entscheidung zugunsten einer Plattform einige Erfahrungsberichte anderer Nutzer zu lesen.

Auch wirtschaftliche Risiken wie schwankende Wechselkurse und Rezessionen können die Ausgangslage verändern und beispielsweise die Ausfallrate erhöhen. Ebenfalls zu einer Verringerung der Rendite beitragen, können gesetzliche Veränderungen im Rahmen der Steuergesetzgebung.

Welche Plattformen gibt es für P2P-Lending?

Gab es in der Vergangenheit hauptsächlich Marktplätze, auf denen sich die Anleger gegenseitig unterboten, was den Kreditsuchenden möglichst geringe Zinssätze bot, haben viele Marktplätze zwischenzeitlich auf feststehende Zinssätze umgeschaltet. Der Vorteil: Kredite können durch ausbleibende Auktionsphasen schneller vergeben werden, die Attraktivität für Kreditsuchende steigt.

Seit einigen Jahren gibt es neben allgemeinen Marktplätzen auch spezielle Plattformen, die sich auf bestimmte Kreditformen fokussiert haben. So können Anleger ausschließlich in Kredite investieren, die mit Immobilien besichert sind und so ihr Risiko reduzieren. Damit sinken jedoch gleichzeitig die Renditen.

  • Landbay (Renditen von 3-4 %)
  • Ratesetter (5-6 %)
  • Lendinvest

Im Vergleich dazu haben unbesicherte Kredite einen Nominalzins von weit über 10 %.

Neben nationalen Anlagemöglichkeiten bieten einige Plattformen auch internationale Investitionen an, wodurch sich unterschiedliche Zinsniveaus nutzen lassen.

In Deutschland sind vor allem die Plattformen

verbreitet, die Renditen liegen hier durchschnittlich bei 7-9 %, bei einer Ausfallrate von 1,5 bis 2,5 % bleiben dabei reale Renditen von 5-8 % übrig.

Die besten Bücher und Websites zum Thema P2P-Lending

Mit zunehmender Verbreitung des P2P-Lendings als Investitionsform haben sich zahlreiche Autoren mit dem Thema beschäftigt. ausführliche Informationen gibt es beispielsweise auf folgenden Webseiten:

Auch in gedruckter Form findet sich allerlei Lesestoff, z. B.:

Claus Lehmann, seit nunmehr neun Jahren Betreiber zweier Blogs zum Thema P2P-Lending (P2P-Kredite.com und P2P-Banking.com), rät Anlegern ab einem Vermögen von 10.000 € in Social Lending zu investieren. Denn wichtig erscheint eine große Diversifizierung, d. h. möglichst kleinere Summen in mehrere Kredite zu investieren als eine große Summe in einen einzigen.

Entsprechend ist eine größere Summe erforderlich, um überhaupt wirtschaftlich zu sein: Bei einer Rendite von 6 % fallen bei einer Investition von 1.000 € beispielsweise 60 € Zinsen an. Wird die Summe in mehrere Kredite investiert, ist der Gewinn im Verhältnis zum Aufwand zu klein.

Finanzielle Ausfälle gehören zu dieser Anlageform, entsprechend sollte jeder Anleger damit rechnen. Stimmen die prognostizierten Ausfallquoten eines Anbieters jedoch mit den tatsächlichen überein und erfolgt durch den Marktplatz ein hinreichendes Scoring und eine Prüfung der Kredite, lassen sich gute Renditen erzielen.

Es empfiehlt sich in jedem Fall, langsam einzusteigen und erstmal zu beobachten, wie ein Marktplatz funktioniert. So lassen sich mit der Zeit Feinheiten erarbeiten, die dem persönlichen Anlageverhalten am ehesten entsprechen.

Auch sollte ein Anleger überlegen, wie lange das Kapital gebunden sein darf, da ein vorzeitiger Ausstieg nur möglich ist, wenn ein Anbieter die Möglichkeit bietet, Anteile über einen Zweitmarkt an andere Anleger zu veräußern.

Eine Streuung der Geldanlagen auch in andere Anlageformen wie Aktien, Immobilien oder Festgeld ist außerdem empfehlenswert.

Steuern

Als Anleger in Deutschland fallen die Renditen, die über die Zinsen zurückfließen, unter die Kapitalertragssteuer, d. h. der pauschalen Abgeltungssteuer von 25% zuzüglich Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer, Ausfälle und Verluste lassen sich dabei nicht gegenrechnen.

Die Anbieter selbst behalten keine Steuern ein, stellen jedoch eine Ertragsübersicht bereit, die für die Steuererklärung hilfreich ist. Bei Investitionen im Ausland lassen sich die entsprechenden Beträge aus den Berichten entnehmen, was bisweilen etwas aufwendiger ist.

Komplizierter wird es bei Veräußerungen aus dem Zweitmarkt. Gewinne sind selbstverständlich ebenfalls anzugeben, hier kann man jedoch die Transaktionskosten geltend machen.

Es empfiehlt sich in jedem Fall, einen Steuerberater für steuerrechtliche Fragen zu konsultieren.

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