Artikel veröffentlicht am: 24. Mai 2018

Erfolgeiche Blogger: Timo von blu-ray-rezensionen.net

Was war der entscheidende Moment fĂŒr dich mit dem Bloggen anzufangen?

Ehrlich gesagt war’s der Rauswurf durch meinen vorherigen Arbeitgeber 😉

Als ich im Sommer 2013 nach zehnjĂ€hriger TĂ€tigkeit bei einem Magazin fĂŒr Tests der Unterhaltungselektronik (fĂŒr das ich die Beamer getestet und die Blu-ray-Reviews geschrieben habe) ausschied, wusste ich, dass ich mich nicht von der Arbeit mit Filmen verabschieden wollte.

Also bereitete ich die seit Jahren gepflegten Kontakte der Agenturen und Filmanbieter darauf vor, dass sie sich von nun an auch mit mir „privat“ rumschlagen mĂŒssten, wenn sie weiter auf meine sensationellen Rezensionen setzen wollten. *rĂ€usper*

Schon als Teenager schrieb ich immer kurze Abhandlungen ĂŒber die Kinofilme, die ich zuvor gesehen hatte (damals immer auf die RĂŒckseite des jeweiligen Tickets) und das ließ mich nie mehr los.

Da ich zudem eine technische Ausbildung im Bereich „Bild“ hinter mir habe (Radio- und Fernsehtechniker), verknĂŒpfe ich leidenschaftlich beide Themen innerhalb meiner Blu-ray- und UHD-Rezensionen, die vielen Heimkino-Fans als Richtschnur dienen, ob sich Filme inhaltlich UND technisch lohnen.

Seinerzeit wollte ich eine ganz konservative Homepage aufziehen, die sich optisch möglichst weit von den ĂŒblichen Blogs entfernt. „Blogger“ ist ja letztlich nur eine WorthĂŒlse. Und ich, fĂŒr meinen Teil, komme bis heute mit dem modernen Style der Blogs wenig zurecht.

Das ist mir oft zu „Möchtegern“ (sorry an die Kollegen) und/oder vollgepumpt mit bunten Gimmicks oder blinkenden Features.

Deshalb gibt’s eigentlich keine Vorbilder im Netz. Eher gibt es welche im klassischen redaktionellen Bereich. Seit 1992 bin ich bspw. Abonnent der CINEMA, deren Autor Heiko Rosner stets eine Orientierung fĂŒr mich war und ist.

Ansonsten versuche ich aber, meinen eigenen Weg zu gehen. Der durchschnittliche Blogger ist ja auch ein großes StĂŒck weit Narziss 😉

Wie kommst du immer wieder auf neue Themen fĂŒr deinen Blog?

Da mein Blog sich ja praktisch ausschließlich mit Reviews zu aktuellen Blu-rays und Ultra-HD Blu-rays beschĂ€ftigt, ergeben sich die Inhalte mit den neuen Veröffentlichungen der Anbieter. Abseits dieses Hauptthemas integriere ich nur sehr moderat andere Themen, da ich meine Kompetenz hauptsĂ€chlich auf dem Gebiet von Film und Heimkino-Wiedergabetechnik sehe.

Wenn ich plötzlich ĂŒber Lifestyle-Themen berichten wĂŒrde … Ă€hm … nee, lieber nicht.

Was kennzeichnet fĂŒr dich einen guten und erfolgreichen Blog?

Gut UND erfolgreich oder gut ODER erfolgreich?

FĂŒr mich muss ein guter Blog nicht zwingend erfolgreich sein und ein erfolgreicher Blog noch weniger ein guter. Oft sind es die, die etwas unter dem Radar laufen, die mich interessieren und nicht die, die von Social Media-/Nachrichten-/VIP-Experten als „IN“ proklamiert werden.

Wie schon weiter oben erwĂ€hnt, stoßen mich Blogs oft eher ab, wenn sie scheinbar zwanghaft modern gestaltet sind. Beispielsweise solche, die keine Seitenstruktur mehr haben, sondern praktisch ALLE Inhalte auf der Hauptseite prĂ€sentieren, die man dann kilometerweit nach unten scrollen muss – furchtbar.

„Gut“ ist fĂŒr mich, wenn man merkt, dass der Blogger mit Leidenschaft hinter seinem Thema steht und nicht, wenn man deutlich herausinterpretieren kann, dass hier nur ein weiterer Versuch erfolgt, mit Ads und sonstigen Mitteln kurzfristig „Influencer“ zu werden – fĂŒr mich ĂŒbrigens jedes Jahr aufs Neue ein Kandidat fĂŒr das Unwort der Jahres 😉

UrsprĂŒnglich war mein Blog völlig unkommerziell ausgerichtet und ich war froh ĂŒber 50 Besucher/Tag.

Da denkst du schlicht ĂŒberhaupt nicht darĂŒber nach, dass es ĂŒberhaupt Möglichkeiten gibt, ein paar Cent mit deiner Arbeit zu verdienen. Heute scheinen viele Blogs den umgekehrten Weg zu gehen und ĂŒber Inhalte erst dann nachzudenken, wenn klar steht, wie man mit ihnen Profit erwirtschaften kann.

Mittlerweile verkaufe ich ein paar Inhalte an Partnerseiten. Aber das lĂ€uft natĂŒrlich nicht ĂŒber den Blog, sondern ĂŒber persönliche Kontakte.
Irgendwann stĂ¶ĂŸt man dann auch auf den Begriff „xxx-affiliate“ und integriert das entsprechend.

Davon wirst du aber nicht reich. Ab und an reicht es mal, um eine Disk zu kaufen, die man vom Verleih nicht erhalten hat.

Das PATREON-Prinzip finde ich sehr interessant, weil es auf freiwilliger Basis funktioniert, fĂŒr den Supporter jederzeit kĂŒndbar ist und DIREKT den Blog unterstĂŒtzt und nicht irgendeinen großen Anbieter von Online-Waren. Als US-basierte Plattform ist das zwar hierzulande noch recht unbekannt, aber nicht minder interessant fĂŒr Blogger.

Finanziell? Nein. Die monatlichen Kosten (Webspace, URL, Beschaffung einzelner Disks) ĂŒbersteigen bei Weitem die Einnahmen.
Ideologisch? Absolut.

Wenn ich sehe, dass mein Blog innerhalb von dreieinhalb Jahren von knapp 90-100 Besuchern/Tag auf 700-900 Besucher/Tag gewachsen ist (und das bei einem Nischen-Nischen-Thema), dann macht einen das schon ein StĂŒck weit stolz und rechtfertigt die entstehenden Kosten mehr als genug.

Ich verbessere damit natĂŒrlich nicht die Welt und das zahlt auch meine Miete nicht, aber ein kleines widerstandsfĂ€higes Tetris-StĂŒck im unfassbar weiten Internet zu sein – das ist schon klasse.

Wie viel Arbeit muss ein AnfÀnger ins Bloggen investieren?

Puh … schwierige Frage. ich kann ja nur von meinen Erfahrungen reden und erfolgreich in finanzieller Hinsicht bin ich auch nach dreieinhalb Jahren nicht. Das liegt aber sicher auch am Thema, das nur wenig attraktiv ist, um damit Geld zu verdienen. Allerdings habe ich meine Nische gefunden und zum Teil mit einzigartigen Inhalten gefĂŒllt.

Das wird sicherlich zunehmend schwerer in den klassischen Themenbereichen, in denen andere Blogs finanziell erfolgreich sind (Mode, Lifestyle) etc.

Wie gesagt: Einen Blog entwickeln/erschaffen, um damit zukĂŒnftig und langfristig seine Brötchen zu verdienen, ist fĂŒr mich nie die Intention gewesen und prinzipiell auch der falsche Ansatz. Entweder es passiert oder nicht. Und wenn es nicht passiert, sollte man so hinter seinem Thema stehen, dass man dennoch weiter macht.

Was wĂŒrdest du heute anders machen?

Technisch: Von vornherein auf meinen jetzigen Anbieter setzen, nachdem zwei Internet-Provider sich als völlig unprofessionell und mangelhaft im Angebot erwiesen haben und ich zweimal umziehen musste.

Inhaltlich: Nichts.

Was gefÀllt dir am besten am Leben eines Bloggers?

Ich kann jeden Sche** schreiben und IHR mĂŒsst es lesen 😉

Spaß beiseite:
Sehr schön ist die Tatsache, dass man sich nicht auf 800 Zeichen beschrĂ€nken muss, wie es damals bei der Arbeit fĂŒr das Printmagazin der Fall war.

Die Möglichkeiten, Bilder und selbstgemachte Screenshots zu publizieren, ermöglichen fĂŒr den Leser sehr anschauliche GegenĂŒberstellungen unterschiedlicher BildqualitĂ€ten bei Diskformaten. auch etwas, das in Printmagazinen schlicht am Platzmangel scheiterte, der wiederum daraus resultierte, dass Anzeigenschaltungen immer VOR Inhalten kamen/kommen.

Und hey, man ist schlicht vollkommen frei in der eigenen Berichterstattung – was gibt’s Besseres? als Narziss (siehe weiter oben) fĂŒhlt man sich natĂŒrlich außerdem unglaublich gebauchpinselt, wenn das Feedback der Leser positiv ist.

Wie viel Zeit beansprucht der Blog in deinem Leben?

Da ich neben dem Blog einen regulĂ€ren 40h-Job habe, werden die Inhalte immer in den freien Zeiten „dazwischen“ genutzt: Morgens vor der Arbeit, in der Mittagspause mit Laptop in der KĂŒche, Abends nach Feierabend.

In der Regel sind das ca. vier Stunden/Tag. An den Wochenenden und bei ausfĂŒhrlichen Reviews aktueller Filmhiglights auch schon mal acht Stunden/Tag, bzw. pro Filmrezension.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.