Artikel veröffentlicht am: 24. Mai 2018

Erfolgreiche Blogger: Elke Weiler und der Meerblog

Was war der entscheidende Moment für dich mit dem Bloggen anzufangen?

Ich habe Meerblog 2010 ins Leben gerufen, nachdem wir umgezogen waren – von Düsseldorf an die Nordsee. Zu dem Zeitpunkt habe ich noch als freie Journalistin und Autorin gearbeitet und betrieb auch ein selbstgebasteltes Reisemagazin im Internet, das als Visitenkarte dienen sollte.

Ich bestückte die Seite mit Artikeln, die bereits im Print erschienen waren. Zum einen ermöglichten mir die Blogsoftware und die dazugehörigen Themes, weniger Zeit ins technische zu investieren. Ich konnte mich also aufs Schreiben konzentrieren. Zum anderen wollte ich damit starten, Artikel speziell für den Blog zu schreiben.

Mit dem Umstieg vom Magazin auf den Blog begann eine lange Phase des Umdenkens. Ich begann, an meinem Stil zu arbeiten, befreit von den Vorgaben der Medien, für die ich einst schrieb. Nach und nach begann ich auch, unternehmerischer zu denken. Denn mein Wunsch wuchs, in Vollzeit zu bloggen.

Wie kommst du immer wieder auf neue Themen für deinen Blog?

Die Themen sind überall. Man kann sagen: Ich entdecke bei jeder Recherche neue. Ein Beispiel: Ich unterhalte mich mit einem Rastafari über das Leben auf Saint Lucia und höre von den Farmen, die von Rastafaris betrieben werden. Wie funktioniert eine Farm, die nicht Gewinnmaximierung im Auge hat, sondern ein friedliches, gemeinsames Leben? Das würde ich gerne einmal erleben.

Man muss aber nicht in die Karibik fliegen, um auf gute Themen zu stoßen. Vor meiner Haustür liegt das Watt, die Insel- und Halligwelt Nordfrieslands. Und für mich als Slow Travellerin ist es schon erstrebenswert, mich mal dem Bäumchenröhrenwurm zu widmen.

Darüber hinaus inspirieren mich gute Bücher, Zeitungsartikel (die ich nur noch online lese), Magazinartikel sowie Blogs, die wie ich auf Geschichten setzen. Gute Gespräche, Kino und natürlich ganz oft die Natur.

Was kennzeichnet für dich einen guten und erfolgreichen Blog?

Oft ist ein erfolgreicher Blog nicht zwingend ein guter. Oder andersherum: Die Storyteller haben es schwerer mit den Zahlen, da ihre Artikel weniger SEO-optimiert sind. Die Frage ist auch, wann ein Blog als erfolgreich gilt. Wie viele Besucher am Tag muss er haben, um als erfolgreich zu gelten? Wie viele Auszeichnungen?

So wurde ich bereits öfters gefragt, ob sich seit der Auszeichnung als zweitbester (2016) und bester (2017) deutschsprachiger Reiseblog (Touristik Medien) etwas geändert hat. Nein, das hat es nicht. Aber es ist ein tolles Gefühl, von dem ich zehre, wenn es gerade mal nicht so toll läuft.

Mir persönlich sind die Blogs am liebsten, deren Artikel mich fesseln, mich für ein paar Minuten in eine andere Welt führen, egal wie nah oder weit diese entfernt ist. Manchmal stoße ich per Zufall auf echte Juwelen. Darüber hinaus mag ich gutgemachte Foodblogs gerne. Modeblogs interessieren mich gar nicht, doch ich sehe natürlich, wie erfolgreich in Zahlen sie sind.

Es bleibt schwierig, „Erfolg“ zu messen. Serviceorientierte und SEO-optimierte Blogs finden eindeutig eine bessere Verbreitung, doch fehlt ihnen oft das Persönliche, die Authentizität, also das herausragende Merkmal eines Blogs.

Da ich aufdringliche Werbung in anderen Onlinemedien als extrem störend empfinde und meinen Blog auch im Look ruhig halten möchte, kommen bestimmte Arten der Onlinewerbung nicht in Frage. Ich setze daher auf gesponserte Artikel und werde in Zukunft mehr eigene Bücher in Form von eBooks anbieten.

Lohnt sich das Bloggen für dich?

Als Bloggerin kann ich mir interessante Geschichten aussuchen und publizieren, die in anderen Medien möglicherweise unerwünscht wären. Das Internet hat die Medienlandschaft stark verändert und verändert sie immer noch.

Mit dem Blog kann ich ein eigenes Medium entwickeln, was nicht nur Unabhängigkeit bedeutet, sondern auch die Möglichkeit gibt, Einfluss zu nehmen. Ein eigenes Medium bedeutet letztendlich ein höheres Maß an Kreativität.

Inzwischen schreibe ich nur noch selten für Printmedien, sondern finanziere mich durch die Blogeinnahmen sowie durch Buchprojekte mit Verlagen.

Wie viel Arbeit muss ein Anfänger ins Bloggen investieren?

Sehr viel Zeit, Arbeit, Engagement, Ideenreichtum und Herzblut. Mit der Monetarisierung sollte man sich Zeit lassen, vielleicht ein Jahr, vielleicht zwei. Gerade am Anfang ist es wichtig, nicht jedes Kooperationsangebot anzunehmen.

Ganz wichtig: alles, was rund um Werbung und Sponsoring im Blog passiert, sollte zum Blog passen. So kann es passieren, dass man zum Beispiel eine gut bezahlte Reise ablehnen muss, wenn diese nicht ins Konzept passt oder gar den eigenen Auffassungen widerspricht.

Denn was das Bloggen auszeichnet, ist ja die Authentizität. Jeder Blogger steht mit seiner Persönlichkeit für die Inhalte des Blogs.

Auch sollte man nicht nur konstant den Blog pflegen, sondern auch die zugehörigen Kanäle. Wer einmal im Monat etwas bei Instagram postet und dort auch nicht interagiert, kann es auch gleich ganz lassen.  Dann lieber auf die Kanäle beschränken, die einem Spaß machen.

Was würdest du heute anders machen?

Als ich mit dem Bloggen angefangen habe, hat sich die Szene gerade formiert. Wir haben diverse Dinge ausprobiert, uns zu sortieren, und dabei viel Zeit verloren. Vernetzen ist wichtig und schön, doch man unterschätzt den Zeitaufwand in den Social Media gerne.

Ich habe zu sehr auf Facebook gesetzt, wo man inzwischen dafür bezahlen muss, seine eigene Reichweite zu erzielen. Aber solche Entwicklungen sind schwer vorhersehbar, und Facebook ist nach wie vor wichtig.

Auf Instagram bin ich „erst“ seit 2012, was eher spät ist. Das bedeutet, mein Account ist über fünf Jahre langsam gewachsen und hat erst kürzlich die 10.000er Marke geknackt.

Pinterest habe ich verkannt, es hat an Bedeutung gewonnen und ist zu einem verlässlichen Traffic-Lieferanten geworden. Natürlich kommt das meiste über die Suchmaschinen. Ich habe erst relativ spät ein SEO-Plugin installiert, das mir anzeigt, ob ein Schlagwort nicht schon zu oft benutzt wurde etc.

Auch habe ich Artikel wieder gelöscht oder URLs geändert – das sollte man lieber nicht machen.

Was wünschst du dir für die Zukunft?

Dass Kooperationspartner den Blog kennen oder zumindest die Infos im Mediakit gelesen haben, dann würden sich manche Anfragen erübrigen.

Mehr Zeit für Eigeninitiative, um selber nach geeigneten Kooperationspartnern zu suchen und Ideen zu entwickeln. zur Zeit reagiere ich nur.

Noch mehr Kooperationspartner, die Storytelling lieben.

Vor allem aber: Mehr Zeit, um mein Blogkonzept weiterzuentwickeln. Mehr Zeit für Kreativität. Mehr Themen rund um Nachhaltigkeit im Blog.

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