Artikel veröffentlicht am: 24. Mai 2018

Erfolgreiche Blogger: Erika von ulligunde.com

Ich habe 2010 den Blog gegründet – zu einer Zeit, in der das in der Outdoorbranche noch ziemlich unüblich war. Mein Bruder hatte mir das vorgeschlagen, weil ich für einige Monate allein auf Reisen ging und er meinte, dass man so sich das viele Mail-Schreiben sparen könne.

Die Idee gefiel mir – ich hatte überhaupt nicht auf dem Schirm, dass da womöglich noch andere Leute als Freunde und Familie mitlesen könnten.

Gab es einen Blog, der dich inspiriert hat? Hast du Vorbilder?

Bei der Gründung wusste ich noch nicht einmal, was ein Blog ist – ich kannte also auch keine und habe einfach meine Reisegeschichten statt per Mail eben im Blog „verschickt“.

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Wie kommst du immer wieder auf neue Themen für deinen Blog?

Themenfindung ist bei mir kein Problem – ich schreibe einfach über die Bergtouren, die wir so unternehmen. Inzwischen allerdings nur noch über die „großen“. für die kleineren Touren lege ich meist nur noch Bildergalerien bei Facebook an.

Das hat vor allem damit zu tun, dass mein wichtigstes Kriterium an Blogartikel ist, dass sie spannend sind – kleinere Unternehmungen sind häufig sehr schön, aber lassen sich nur schwer wirklich packend beschreiben. also lasse ich die Bilder sprechen. Aus SEO-Sicht bestimmt blöd, aber die SEO-Brille habe ich noch nie besessen.

Was kennzeichnet für dich einen guten und erfolgreichen Blog?

Ein Blog ist für mich eine Website mit individuellem, außergewöhnlichen Charakter. Da spielt ein besonderer Schreibstil, aussagekräftige Bilder und eine ordentliche UX rein. Austauschbare Webseiten, die mit Stockfotografie auskommen, mögen schöne Webseiten, aber imho eben keine empfehlenswerten Blogs sein.

Welche Methoden der Monetarisierung funktionieren in deinem Blog gut?

Obwohl ich mit meinem Blog selbstständig bin, verdiene ich mit der Seite selbst nur wenig Geld. Das hat einerseits mit den vergleichsweise geringen Zugriffszahlen zu tun (Alpinsport ist eine Nische in der Nische), andererseits auch damit, dass ich es nicht forciere.

Mein Geld verdiene ich mit Aufträgen, die über den Blog entstehen, aber am Ende häufig gar nichts damit zu tun haben. Dabei geht es meist um Fotoshootings, Auftragsvideos oder Texte für Outdoorhersteller und Destinationen.

In jeder Hinsicht, ja. Finanziell werde ich in diesem Jahr aller Voraussicht nach meinen Lohn meiner früheren Festanstellung etwa verdoppeln, aber viel wichtiger ist für mich der soziale Aspekt: Ich habe die Freiheit, loszuziehen, wenn die Bedingungen gut sind, nicht wenn der Arbeitgeber mir freigibt.

Das geschieht häufig völlig spontan. Ich kann ohne Nachzufragen für zwei Wochen zum Trekken gehen, eine Woche kurzfristig auf Skidurchquerung starten, weil die Verhältnisse ideal sind oder für fünf Wochen zum Rissklettern nach Amerika verschwinden.

Notfalls könnte ich selbst von dort aus arbeiten, was ich aber vermeide, denn solche Reisen sind Urlaub – da möchte ich abschalten. Gearbeitet wird daheim.

Wie viel Arbeit muss ein Anfänger ins Bloggen investieren?

Das hängt vom Ziel ab – ich habe meinen Blog über sechs Jahre immer mit dem Grundsatz betrieben, keine Werbung zu platzieren (Testberichte mal ausgenommen), mir ging es einzig um gute Unterhaltung.

Der Zuspruch, den man auf diese Weise erfährt, ist nämlich auch sehr viel wert. Wie lange es dauert, finanziell unabhängig zu werden, kann ich nicht sagen, denn um ehrlich zu sein, betreibe ich meinen Blog wohl kaum professionell.

Dazu müsste ich mich um SEO kümmern, müsste einen Redaktionsplan haben und mich täglich mehrere Stunden um die sozialen Netzwerke kümmern. Das mache ich nicht.

Erika Spengler klettert Berlin Wall (8+) am Rottachberg im Allgäu

Nichts.

Was gefällt dir am besten am Leben eines Bloggers?

Natürlich ist die Freiheit, die man hat, sagenhaft. Aber man muss auch bedenken, dass man  – wenn man sich auf dieses Spiel einlässt – ständig in der Öffentlichkeit steht, man jede Minute (gerade im Urlaub!) eigentlich an das nächste Facebookposting denken sollte und dass die Selbstständigkeit auch Schattenseiten mit sich bringt.

Die unterschwellige Geldsorge – wie wird es weitergehen? Wo kommt der nächste Monatslohn/Jahreslohn her? – kann sehr belastend sein. Man sieht ja als Außenstehender immer nur die Grinsebilder, das entspricht aber nur der halben Wahrheit.