Artikel veröffentlicht am: 24. Mai 2018

Erfolgreiche Blogger: Food-Blogger Thomas Holzportz – bacon zum steak

Ich war 2008 das erste mal in den USA und hatte nach dem Hinflug mächtigen Hunger. So wurde der Kauf eines Burgers noch am Flughafen in Washington meine erste Tätigkeit auf amerikanischem Boden – und die hat sofort alles verändert: Ich hatte noch nie so saftiges, herzhaftes und aromatisches Fleisch gegessen und fragte mich, warum die Fleischkultur in Deutschland so anders war.

Zurück in Deutschland gingen ein paar Jahre ins Land, in denen ich viel gelesen, gelernt und ausprobiert habe. Freunde und Bekannte haben das verfolgt und irgendwann bemängelt, dass alte Beiträge und Rezepte nicht mehr auffindbar seien. Kurze Zeit später war der Blog online.

Gab es einen Blog, der dich inspiriert hat? Hast du Vorbilder?

Ich bin erst mit der eigenen Website in die Bloggingwelt eingestiegen, und die war damals noch recht überschaubar. So gab es in Deutschland nur eine Handvoll Blogs und Foren, die mir aber nicht tief genug in die Materie gingen und viel zu wenig Zusammenhänge erklärten.

Ich will verstehen, wie Fleisch funktioniert, und da hilft nach wie vor nur Fachliteratur und das Wissen von befreundeten Metzgern, Züchtern und Köchen. Viele jener arbeiten mit so viel Enthusiasmus und Pioniergeist in der Sache „gutes Fleisch“, dass ich sie auch als „Vorbilder“ bezeichnen würde.

Wie kommst du immer wieder auf neue Themen für deinen Blog?

Das Internet bringt die Welt zusammen, und so fliegt einem Inspiration aus allen Ecken der Erde entgegen. Da muss man nicht lange suchen, aber sehr wohl überlegen, welche der unzähligen Themen in den Blog kommen sollen; Zeit, Fleisch und Geld sind nämlich nach wie vor sehr begrenzte Ressourcen.

Was kennzeichnet für dich einen guten und erfolgreichen Blog?

Ich glaube, dass Leidenschaft den Unterschied macht. Wer etwas gern macht, macht es auch meistens gut. Erfolg ist ja sowieso nur eine Frage der Perspektive oder des Anspruchs.

Welche Methoden der Monetarisierung funktionieren in deinem Blog gut?

Die einzige Monetarisierung am Blog selbst erfolgt durch sogenannte „sponsored posts“, z. B. bei Vorstellungen oder Tests. Den Großteil meiner Brötchen verdiene ich offline durch Grillkurse, Caterings und andere Events. Um es bildlicher zu machen: Der Blog ist der Baumstamm und die Früchte hängen an wild gewachsenen Ästen.

Bist du durch dein Blog finanziell unabhängig(er) und wie lange hat es gedauert, bist du soweit warst? Wie viel verdienst du mit dem Bloggen?

Der Schritt in die Selbstständigkeit war ein großes Wagnis, insbesondere was die Finanzen angeht. Ich hatte durch jahrelanges Networking schon ein paar Kontakte, sodass ich auch ab dem ersten Monat der Selbstständigkeit schon kleine Rechnungen schreiben konnte, die für etwas Butter auf dem Brot sorgten.

Die ersten Monate danach waren eine lange Zitterpartie, das „sichere“ Gehalt eines Arbeitsvertrags hat mir da schon gefehlt. Das lag vor allem daran, dass ich kurz vor Jahresende als Freiberufler startete: Grillen ist ja irgendwie noch immer ein saisonales Geschäft, und im Winter passiert auf dem Markt nicht viel.

Der Zeitpunkt war also auch risikobehaftet, aber bewusst gewählt; so konnte ich während der ruhigen Phase schon Kooperationen und Aktionen planen. Ich hielt das für klüger, als im laufenden und bereits gesättigten Markt zu starten, wohlwissend dass das finanzielle Einbußen mit sich bringen würde.

Rückblickend war der Zeitpunkt richtig gewählt, wobei ich glaube dass eine große Portion Glück auch dazu gehört hat. Inzwischen kann ich mir sogar wieder Käse auf dem Butterbrot leisten und hoffe, dass sich die Lage mit der Zeit weiter entspannt.

Ich habe das große Glück, mir meinen Traumberuf erschaffen zu haben. Dass hier und da nach wie vor mal ein paar Euro fehlen, kann ich mir so schönreden.

Wie viel Arbeit muss ein Anfänger ins Bloggen investieren, um dadurch finanziell unabhängig zu werden?


Ein
wichtiger Punkt ist die zu investierende Zeit: Ich habe monatelang mindestens 14 Stunden pro Tag gearbeitet, gelesen und viel gelernt um dahin zu kommen, wo ich heute bin. Man muss bereit sein, so viel Zeit zu investieren und zudem einen eventuellen (!) „return on investment“ auf unbestimmte Zeit zu verschieben.

Für einen Großteil des erstellten Contents sieht man nämlich kein Geld, sondern sammelt Klickzahlen, generiert Bekanntheit und dadurch vielleicht auch die ein oder andere Buchung.

Das zweite zu investierende Gut ist jede Menge Geld. Webseite, Design und Serverkosten spielen nur eine kleine Rolle. Kamera und Equipment, Grills, Zubehör und auch die Zutaten wollen bezahlt werden, und ohne Einkommen am Anfang kann einem das viel Wind aus den Segeln nehmen.

Und selbst bei größter Opferbereitschaft kann einem niemand garantieren, dass es mit der Bloggerei als Selbstversorgung auch wirklich funktioniert. Ich würde deswegen niemandem raten, aus kommerziellen Absichten mit der Bloggerei anzufangen.

Welche Fehler hast du beim Aufbau deines Blogs gemacht, aus denen Bloganfänger lernen können? Wie würdest du es jetzt anders machen?

Ich würde nicht von „Fehlern“ sprechen wollen, sondern von „Learnings“, und da gab es etliche. Einen Blog zu erstellen heißt in erster Linie, seine eigenen Vorstellungen und Wünsche zu realisieren. Da gibt es kaum Guidelines und schon gar kein richtig oder falsch.

Ein Blog ist ein Projekt, das sich stetig weiterentwickelt. Und weil man sich genauso weiterentwickelt, sieht man manche Optimierungsmöglichkeiten erst mit etwas

Distanz und mehr Erfahrung. Ich hatte zum Beispiel am Anfang das Wort „Männerkram“ im Slogan – Während der hektischen Inbetriebnahme der Website empfand ich es als passend und lustig, bis die berechtigte Frage einer Leserin kam, was das denn überhaupt bedeuten solle.

Ich hatte keine plausible Erklärung und antwortete damals offensichtlich ironisch, dass die Option über erektile Dysfunktion zu schreiben in ferner Zukunft ja noch möglich wäre. Kurz darauf wurde der Slogan geändert.

Was gefällt dir am besten am Leben eines Bloggers?

Die Möglichkeit, seine Profession und Leidenschaft ausleben zu können. Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht und ziehe daraus immens viel Zufriedenheit und Freude.

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