Artikel veröffentlicht am: 24. Mai 2018

Die Zukunft des Lernens beginnt schon in der Kita – Ein Interview mit Axel Thelen von educcare

Niemand bezweifelt, dass Erfolg etwas mit Lernen zu tun hat. Je früher wir mit dem Lernen anfangen, desto schneller ist der Grundstein für unseren Erfolg im weiteren Leben gelegt. Wieso also damit warten, bis Kinder im Schulalter sind?

Axel Thelen hat eine Kindertagesstätte ins Leben gerufen, die Kindern schon viel früher wichtige „Skills“ mit auf den Weg gibt. Wobei das nicht unbedingt bedeutet, einem Kind abrufbares Wissen beizubringen, sondern die Grundlagen für späteres Lernen zu legen.

Was stimmt denn mit dem etablierten System nicht, dass Sie als ehemaliger Computerspezialist und erfolgreicher Unternehmer den Drang verspürten, eine Kindertagesstätte zu eröffnen?

Anfang der 2000er war der Begriff „frühkindliche Bildung“ in Deutschland noch neu. Es gab kaum Kitas, die nach einem pädagogischen Konzept gearbeitet hätten – also konsequente Bildungsarbeit im Kita-Alltag verankert und die Voraussetzungen dafür geschaffen hätten.

Ich hatte das Glück u.a. im Ausland Kitas mit sehr hoher Qualität kennenzulernen und fand, zurück in Deutschland, in meinem Umfeld nichts Vergleichbares. So entstanden mit Erzieherinnen, Leitungen, Eltern, Wissenschaftlern neue Ideen und letztendlich educcare.

Ein Ort wo jedes Kind und jede Familie ein zweites Zuhause, d. h. einen Ort des Wohlfühlens und der Geborgenheit findet. Ein Ort, wo Kinder sich entfalten können und Eltern in der Bewältigung der heutigen Lebensanforderungen unterstützt werden – alles in hoher Qualität und Zuverlässigkeit.

Warum ist es so wichtig so früh schon über Bildung nachzudenken?

Weil in den ersten Jahren die Grundlagen für das gesamte Leben gelegt werden. Je früher man sich entwickeln und entfalten kann, umso mehr Möglichkeiten zum persönlichen Glück und Teilhabe hat man.

Daher reicht auch „Nachdenken“ nicht, sondern als Gesellschaft sind wir in der Verantwortung jedem Kind exzellente Bildungsmöglichkeiten sicher zu ermöglichen. Denkt man nur nach und handelt nicht, werden weiterhin Kinder benachteiligt und ausgegrenzt, die Durchlässigkeit wird sich nicht verbessern und unsere Demokratie wird geschwächt.

Wir denken nicht in Kategorien „besser“ oder „schlechter“ im Vergleich zu anderen. Was educcare Kindertagesstätten auszeichnet, ist, dass wir Kinder (und Familien) individuell begleiten.

Wir stellen hierzu zuverlässig die Rahmenbedingungen für die pädagogischen Fachkräfte sicher. Die individuelle Begleitung schafft als erstes die Geborgenheit, die ein Kind benötigt um sich überhaupt entfalten zu können oder in anderen Worten, um auf Entdeckungstour in diese phantastische Welt zu gehen.

Auf dieser Basis können die pädagogischen Fachkräfte durch ihre Kenntnis des einzelnen Kindes und der Familie wichtige Impulse für die Entfaltung geben, sie begleiten und die natürliche Neugier unterstützen.

Erst in der Gruppe, dann in der Kita, dann im Umfeld, mit immer neuen Erkenntnissen, in Teilen hilfreichen Rückschritten, Erlebnissen, die Kinder im Selbstbewusstsein, in der Offenheit neuen oder Unerwartetem gegenüber, im finden von eigenen kreativen Lösungsstrategien, in der Selbstwirksamkeit wachsen lässt.

Und wenn es mal zu viel wird, geht es zurück ins Basislager der Geborgenheit, ggf. auf den Arm der Erzieherin/des Erziehers und dann wieder raus auf Entdeckungs- und Wachsenstour!

Sind educcare-Kinder besser auf die Grundschule vorbereitet?

Wie gesagt, ob ‚besser‘ können wir nicht beurteilen und ist auch nicht unser Thema.

Sicher ist, dass „educcare Kinder“ offen und selbstbewusst sowie partizipationsbereit und sehr aufmerksam in die Grundschule wechseln. Wo immer möglich, pflegen wir Kooperationen mit den umgebenden Grundschulen, um den Übergang so gut wie möglich zu gestalten.

Gibt es eine Möglichkeit, den späteren Erfolg der Kinder zu messen? Haben Sie da schon Erfahrungswerte?

Wir machen keine Längsstudien, aber was uns die Eltern und Grundschulen zurückmelden ist schon ermutigend. Die enge Zusammenarbeit mit den Grundschulen ist für uns wichtig. So bekommen wir Rückmeldungen zu den Kindern, die unsere Arbeit bestätigen.

Welche Fähigkeiten können Kinder im Alter zwischen 3–6 besonders gut ausbilden?

Kinder bilden sich in diesen Jahren in allen Bereichen: Sie erlernen z. B. Vorläuferfähigkeiten des Schriftspracherwerbs und des mathematisch naturwissenschaftlichen Denkens, entdecken Kunst und Musik.

Sie bilden ihre motorischen Fähigkeiten aus, lernen das soziale Miteinander. Frühe Bildung bedeutet für uns nicht, abrufbares Wissen aufzubauen, sondern kindliche Bildung zu ermöglichen. Dies kann nur in Ko-Konstruktion gelingen, das heißt im gemeinsamen Lernen von Kindern und Pädagogen.

Glauben Sie, dass das frühe Lernen später bei der eigenen Karriere hilft?

Wenn mit ‚lernen‘ das spielerische, konzeptionelle Erfahren, der Aufbau von den „Selbst-Kompetenzen“, wie Fähigkeit der Selbstartikulation, Selbsteinschätzung, Offenheit, Selbstbewusstsein … sowie das Erlernen von kreativen Problemlösungsstrategien in Gemeinschaft mit anderen gemeint ist, kann man das mehr als bejahen.

In einer Zukunft, die sich durch schnellen Wandel in allen gesellschaftlichen Bereichen, so auch in der Arbeitswelt, viel Unerwartetem bis hin zu heute noch gänzlich Unbekanntem auszeichnen wird, sind es genau diese Fähigkeiten, die zählen.

Nicht nur für die „Karriere“, egal wie man Karriere definiert – ob als Vorstand eines DAX-Unternehmens oder freischaffender Künstler auf einem schwierigen Markt – ein Kind, dass in diesen ersten Jahren sich umfassend bilden konnte, weil Eltern, Erzieher und die Gesellschaft ihm das ermöglicht haben, wird seinen Weg finden und gehen.

Und dann sind wir nicht nur bei der Karriere sondern beim „Lebensglück“.

Wir schauen bei educcare nicht auf Fähigkeiten, die für bestimmte Bereiche verwertbar sind. Unser Anliegen ist, Kinder in ihrer Persönlichkeit mit ihren individuellen Eigenschaften wahrzunehmen und ihren Selbstbildungsprozess zu unterstützen und zu begleiten.

Vielen Dank für das Interview, Herr Thelen.

Mehr Informationen zu educcare auf der Website und Facebook.

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