Artikel veröffentlicht am: 24. Mai 2018

Selbständigkeit: Mit diesen 7 Tipps klappt die erfolgreiche Existenzgründung

Die Selbständigkeit ist der Traum von vielen. Du bist frei in deinen Entscheidungen, kannst dir deine Zeit nach Gutdünken einteilen und dein Einkommen ist theoretisch unbegrenzt. Vielleicht hast du sogar den Wunsch, ortsunabhängig zu arbeiten?

Wie deine Vorstellungen auch aussehen, es gibt bei dem Start in die Selbständigkeit einiges zu beachten, damit Realität und Traum möglichst miteinander im Einklang stehen. Im Folgenden schauen wir uns die 7 entscheidenden Faktoren an.

Realistische Erwartungserhaltung

Der Start in die Selbständigkeit ist hart. Er wird von langen Arbeitszeiten und niedrigem Einkommen begleitet. Es ist wichtig, dass du dir darüber im Klaren bist.

Bestandskunden, die für ein finanzielles Grundrauschen oder Empfehlungen sorgen können, gibt es noch nicht. Dein Einkommen schwankt stark. Auf gute Monate folgen schlechte. Deswegen solltest du privat wie geschäftlich deine Ausgaben auf ein minimum beschränken und Überschüsse zur Seite legen, um Schwankungen ausgleichen zu können.

Emotional ist die Anfangszeit eine große Herausforderung, da du die Früchte deiner Arbeit noch nicht sehen kannst. Und vor allem:

Dein Partner kann sie auch nicht sehen. Hier gibt es nur einen Rat:

Schonungslos offene Kommunikation

Dein Partner muss wissen, was deine Selbständigkeit auch für ihn oder sie bedeutet. Nichts ist schlimmer, als wenn du dich aufgrund falscher Erwartungen zu Hause ständig rechtfertigen musst. Das kann dein komplettes Projekt und deine Beziehung gefährden. Im Gegenzug ist kaum etwas motivierender als ständiger Zuspruch von deinen Liebsten.

Lege am besten im Vorfeld einen genauen Zeitraum fest, in welchem du profitabel werden möchtest. Erreichst du dein Ziel nicht, kannst du die Reißleine ziehen und dir wieder ein Angestelltenverhältnis suchen. So wissen alle Beteiligten genau, woran sie sind und du vermeidest es, weitere Zeit in ein zum Scheitern verurteiltes Projekt zu stecken.

Marketing: Ein gutes Produkt alleine reicht nicht

Wenn wir uns selbständig machen, sind wir felsenfest von uns überzeugt. Wir glauben, dass die Welt auf uns gewartet hat … aber das hat sie nicht.

Niemand wird bei dir Kunde werden, wenn du ihn nicht auf dich aufmerksam machst und es verpasst, ihm zu erklären, warum er ausgerechnet bei dir kaufen soll. Dafür braucht es anständiges Marketing. Kläre die Frage:

Welchen Weg soll mein Kunde gehen, bevor er bei mir kauft (sog. Customer Journey)?

Ich habe beispielsweise schon vor dem eigentlichen Start meiner Selbständigkeit die Finanzküche gegründet, auf der ich über Finanzen blogge und mein Wissen teile. Damit habe ich es erreicht, dass bereits zum Start meiner Tätigkeit als Honorar-Finanzberater potentielle Mandanten von mir wussten.

Dabei ist es wichtig, dass du deine Stärken kennst. Was dir nicht liegt, solltest du konsequent outsourcen und dafür ein eigenständiges Budget einplanen. Möchtest du beispielsweise einen Unternehmensblog führen, kannst du dafür externe Autoren beauftragen, wenn dir das Schreiben schwer fällt. So gewinnst du Zeit und Qualität. 

Richtig kalkulieren

Die richtige Kalkulation ist das A und o. Ansonsten wunderst du dich, dass du trotz guter Auftragslage auf keinen grünen Zweig kommst. Ein weiterer Vorteil:

Wenn du deine Zahlen kennst, gehst du selbstbewusster in Preisverhandlungen.

Forderungen nach Preisnachlässen kannst du mit einem Verweis auf das Wirtschaftlichkeitsgebot zurückweisen. Verlierst du auf diese Weise einen Auftrag, dann in dem Wissen, dass du deine Zeit nicht mit unrentablen Arbeiten vergeudest. So hart es klingt:

Bevor du anderen helfen kannst, musst du dir selbst helfen.

Deine Kunden haben nichts davon, wenn du in den Konkurs schlitterst.

Beispielhafte Stunden-Honorarkalkulation für eine Beratertätigkeit

Der ermittelte Stundensatz stellt das Minimum dar. Wenn du bedenkst, dass die 2.500 Euro Gehalt noch versteuert werden und du davon deine Altersvorsorge bestreiten musst, solltest du in unserem Beispiel Stundensätze von 100 Euro aufwärts ansetzen.

Startkapital: Verschiedene Wege, um den Start zu finanzieren

In den wenigsten Fällen verdienst du vom Start weg das große Geld. Je nach Geschäftsmodell kann es Monate oder sogar Jahre dauern, bis du profitabel arbeitest. Hinzu kommt, dass du für einen erfolgreichen Start Anfangsinvestitionen tätigen musst …

Im folgenden gehe ich kurz auf vier Finanzierungsmöglichkeiten und deren Vor- und Nachteile ein:

  1. Du sparst dir das Startkapital zusammen
  • Pro: Scheitert deine Selbständigkeit, hast du keine Schulden.
  • Kontra: Bist du das Gründungskapital zusammen hast, kann einige Zeit verstreichen.

Bei dieser Variante verzögerst du den Start. Das bedeutet, dass du länger in deinem jetzigen Job verharren musst und sich deine Ziele immer weiter nach hinten verschieben.

  1. Du finanzierst dir den Start über einen Nebenjob
  • Pro: Durch die Teilzeitbeschäftigung hast du freie Zeit, um deine Selbständigkeit voranzutreiben. zudem kannst du dich günstig über deinen Arbeitgeber krankenversichern. Durch die Einsparungen bei der Krankenkasse ist ein 450 Euro Job effektiv gut 700 – 800 Euro wert.
  • Kontra: Der Nebenjob frisst einiges an Zeit, welche dir für deine Selbständigkeit fehlt. In seltenen Fällen hast du ein Imageproblem, wenn dich deine Kunden bei deiner Nebentätigkeit „erwischen“.


Das
elegante an dieser Variante ist, dass du einen Teil deiner monatlichen Fixkosten bereits durch dein Angestelltengehalt decken kannst. Das nimmt einiges an Druck heraus und gibt dir Sicherheit.

  1. Du leihst dir das Geld bei deiner Familie und deinen Freunden
  • Pro: Du musst in der Regel keine Zinsen zahlen. Scheiterst du, werden dir die Schulden oft erlassen.
  • Kontra: Bei Geld hört die Freundschaft bekanntlich auf. Hast du keinen Erfolg, kann das die Beziehungen zu deinen Geldgebern belasten.


Immer
wieder beobachte ich, wie Großeltern und Eltern bereitwillig als Geldgeber für Immobilienträume einspringen. Bei Unternehmensgründungen ist die Hemmschwelle um ein Vielfaches höher.

An der Stelle kann ich nur dafür plädieren, dass ein Umdenken stattfindet. Wobei es ein Unterschied ist, ob die ältere Generation das Geld übrig hat, oder der Gründer die Altersvorsorge seiner Eltern aufs Spiel setzt.

Bei dieser Variante ist eine offene Kommunikation das Gebot der Stunde. Wenn Erwartungen und Ängste im Vorfeld offen besprochen werden, kann der einen oder anderen Enttäuschung vorgebeugt werden.

  1. Du nimmst einen Kredit bei einer Bank auf
  • Pro: Du kannst sofort loslegen und dich voll auf deine Gründung konzentrieren.
  • Kontra: Du zahlst Zinsen und hast im Falle des Scheiterns einen ansehnlichen Schuldenberg.

Für den klassischen Finanzierungsweg ist ein hieb- und stichfester Businessplan die Grundlage. Kostenlose Hilfe bei der Erstellung gibt es auf der Seite des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie.

Prüfe in jedem Fall, ob du für einen geförderten Gründungskredit in Frage kommst. Welche Voraussetzungen dafür gelten, erfährst du auf der Seite der KfW.

Umgib dich mit den richtigen Menschen

Du bist der Durchschnitt der fünf Menschen, mit denen du die meiste Zeit verbringst …

Wenn du in die Selbständigkeit startest, wird dir erst die ganze Tragweite dieser Lebensregel bewusst. Zweifler und Zeitdiebe versuchen, dich auszubremsen. Das tun sie unbewusst und ohne böse Absicht. Du erkennst sie an Sätzen wie:

  • Ich finde deinen Schritt mutig, aber was machst du, wenn es schiefgeht?
  • Hast du dir schon Gedanken über deinen Plan B gemacht?
  • Und das funktioniert?

Ein Zeitdieb beschwert sich den halben Tag über sein Leben und will, dass du ihm dabei zuhörst. Etwas zu ändern, um seine Probleme zu lösen, steht nicht auf seiner Agenda.

Zweifler und Zeitdiebe gilt es weitestgehend zu meiden. Mach stattdessen Menschen ausfindig, die bereits dort sind, wo du hinwillst und verbringe Zeit mit Leuten, die deine Laune heben, anstatt sie zu ruinieren. Das Ergebnis wird ein Umfeld sein, dass dich glücklich macht, inspiriert und voranbringt.

Nur unter Druck entstehen Diamanten.

Dieser Spruch ist ebenso platt und abgedroschen wie er wahr ist. Die größte Hürde auf dem Weg zu deinen Träumen ist die Komfortzone.

Meinen Start in die Selbständigkeit habe ich damals mit einem Nebenjob finanziert. Woche für Woche habe ich bei IKEA Hot Dogs verkauft. Das war gut bezahlt und zusammen mit den ersten Einkünften aus meiner Selbständigkeit konnte ich einigermaßen davon leben. So richtig anlaufen wollte meine Beratertätigkeit allerdings nicht. Die Erklärung:

Ich war in der Komfortzone gefangen.

Das raubte mir die letzten 10 Prozent Einsatz, die nötig waren, um meinen Traum vom eigenen Unternehmen wahr werden zu lassen. Als ich das begriffen hatte, kündigte ich. Wie von Zauberhand zog die Auftragslage an und ich konnte die wegfallenden Einnahmen auffangen.

Einige Zeit später begegnete mir die Komfortzone wieder. Ich war gut ausgelastet mit Aufträgen und meine Selbständigkeit fing an, sich auch finanziell auszuzahlen. Über meinen Erfolg vernachlässigte ich die Neukundengewinnung. Die Quittung bekam ich 2 Monate später, als alle Aufträge abgearbeitet waren:

In meinem Kalender tobte ein übler Schneesturm …

Kein Termin weit und breit und ich war selbst schuld. Zwei Monate kostete es mich, diesen Fehler zu beheben. Meine Liquidität reichte gerade so …

Versuche also auch in guten Zeiten, Basistätigkeiten wie die Neukundengewinnung nicht zu vernachlässigen und kümmere dich bereits heute um den Umsatz von übermorgen.

Mut zum Scheitern

Selbst wenn du alles bedenkst und gut vorbereitet startest, besteht die Möglichkeit des Scheiterns. Über 50 Prozent aller Gründer geben innerhalb der ersten sechs Jahre auf. Gut 30 Prozent scheitern bereits in den ersten drei Jahren. Die Liste der Ursachen ist lang:

  • fehlende Planung
  • Mangelnde kaufmännische Kenntnisse
  • Selbstüberschätzung
  • Fehlendes oder mit der Zeit einschlafendes Marketing
  • Krankheit
  • Schlechte/s Produkt/Dienstleistung
  • Familiäre Probleme
  • Stress

Ohne weiteres könnten wir noch 100 Punkte hinzufügen. Vieles lässt sich mit einer sauberen Vorbereitung vermeiden, aber nicht alles …

Scheitern ist völlig normal. Die Angst davor darf dich nicht davon abhalten, deine Träume umzusetzen. Beantworte für dich die Frage:

Was bereue ich später mehr? Die Dinge, die ich vergeblich getan habe, oder die Dinge, die ich nie versucht habe?

Resümee

Die sieben wichtigsten Tipps für deine erfolgreiche Selbständigkeit sind:

  1. habe eine realistische Erwartungshaltung
  2. Vernachlässige niemals das Marketing
  3. Kalkuliere richtig und verkaufe dich nicht unter Wert
  4. Wähle die Finanzierungsform mit Bedacht
  5. Umgib dich mit den richtigen Menschen
  6. Durchbrich die Komfortzone
  7. Habe Mut zum Scheitern

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