Artikel veröffentlicht am: 24. Mai 2018

Gebrauchsanweisung: Schritt für Schritt zur passenden Anlagestrategie

Wer erfolgreich Vermögen bilden will, sollte sein Geld nicht planlos in irgendwelche Kapitalanlagen investieren. Sondern besser auf Basis einer schriftlich dokumentierten Anlagestrategie agieren.

Denn die Formulierung einer Strategie zwingt dazu, sich Gedanken über die wirklich wichtigen Fragen der Geldanlage zu machen. Anstatt sich in belanglosen Details zu verlieren.

Worauf es bei der Ausarbeitung einer langfristig tragfähigen Anlagestrategie ankommt und wie du am Besten dabei vorgehst, erfährst du in diesem Artikel:

Die 3 Kernelemente einer guten Anlagestrategie

Eine gute Anlagestrategie sollte Antworten auf die drei großen „W“-Fragen liefern: Warum? Wie? Was?

Das „Warum“ – die Zielsetzung

Im Mittelpunkt der Überlegungen für die Anlagestrategie sollten Fragen nach dem Warum stehen. Es geht um den übergeordneten Zweck beziehungsweise um das Ziel des Vermögensaufbaus:

  • Warum willst du Geld anlegen?
  • Aus welchem Grund ist dir das wichtig?
  • Was ist dein (finanzielles) Ziel?
  • Welche Bedürfnisse werden mit dem Vermögensaufbau befriedigt?
  • Was treibt dich an, was motiviert dich?

Ist es die vielbeschworene finanzielle Freiheit? oder eher Angst vor Altersarmut? Sehnst du dich nach Sicherheit, Status oder Macht?

Das sind ohne Zweifel alles Fragen, die sich nicht mal eben im Vorübergehen beantworten lassen. Nimm dir die Zeit, die du brauchst, um ehrliche Antworten zu finden.

Weiche der Auseinandersetzung mit den genannten Fragen keinesfalls aus, auch wenn der Prozess mühsam erscheint und mitunter unbequeme Erkenntnissen zu Tage fördert.

Ich verspreche dir: der Aufwand lohnt sich!

Motivation ist alles

Denn die Wahrscheinlichkeit, dass du einer Anlagestrategie über lange Zeit treu bleibst, ist aus nachvollziehbaren Gründen deutlich größer, wenn sie deinen inneren Bedürfnissen entspricht anstatt diesen (unbewusst) zuwider zu laufen.

Ein Ziel zu erreichen, das man mit Leidenschaft verfolgt, dürfte bei weitem erfolgversprechender sein als emotionslos eine Pflichtübung durchzuturnen.

Insbesondere dann wenn es sich um ein solch langfristiges Projekt handelt, wie es beim Vermögensausaufbau der Fall ist.

Weil in diesem Zusammenhang ein paar Anregungen und Denkanstösse nicht schaden können, habe ich zwei Buchempfehlungen für dich:

  1. Frag immer erst: Warum

Die deutsche Ausgabe des Bestsellers „Start with why“ von Simon Sinek, in der klar wird, warum sich erfolgreiche Menschen grundsätzlich zuerst die drei elementaren Fragen stellen: Warum? Wie? Was?

  1. Das Reiss Profile: Die 16 Lebensmotive. Welche Werte und Bedürfnisse unserem Verhalten zugrunde liegen

Der Psychologe Steven Reiss macht in diesem Buch verständlich, wie uns das Verständnis der eigenen Lebensmotive in wichtigen Fragen weiterbringt.

„Hat man sein Warum des Lebens, so verträgt man sich mit fast jedem Wie“

– Friedrich Nietzsche

Das „Wie“ – die Art und Weise

Das zweite Kernelement einer guten Anlagestrategie gibt Auskunft über den Weg, den wir beim Vermögensaufbau gehen wollen:

  • Welche Anlageklassen und -objekte kommen in Frage?
  • Spielen neben einer positiven Renditeerwartung noch andere Gesichtspunkte eine Rolle, beispielsweise ethische oder moralische Vorstellungen?
  • Mit welchem Arbeits- beziehungsweise Zeitaufwand wollen wir das Ganze betreiben?

Widmen wir uns zuerst der Frage nach der passenden Anlageklasse und schauen uns exemplarisch die drei folgenden an:

Immobilien

  • Vorteile: sind etwas „zum Anfassen“, bieten gewisse Steuervorteile
  • Nachteile: sind mit hohen Transaktionskosten verbunden, machen in der Regel eine Finanzierung mit Fremdkapital notwendig, erfordern viel Know-how und Erfahrung

Aktien

  • Vorteile: geringe Transaktionskosten (abhängig vom Investitionsstil) sowie niedrige Investitionssummen machen Wertpapierinvestments für (nahezu) jeden erschwinglich; die langfristig höchste Rendite (netto) aller Anlageklassen entschädigt für Kurskapriolen (siehe Nachteile)
  • Nachteile: transparente Wertschwankungen strapazieren das Nervenkostüm des Anlegers, gewisses Know-how erforderlich

Bitcoins, P2P, Crowdfunding etc. (Kategorie „Neumodischer Kram“)

  • Vorteile: ?
  • Nachteile: spekulativer Charakter, hohes Ausfallrisiko (Totalverlust); Fazit: für den Vermögensausaufbau eher ungeeignet

Je höher dein Anspruch hinsichtlich der moralischen Integrität – wie auch immer diese aussehen mag – von Kapitalanlagen ist, desto schwieriger wird die ganze Angelegenheit:

Wertvorstellungen

  • In ETFs können „schlechte“ Firmen enthalten sein – je nachdem ob du beispielsweise Rüstungsfirmen, Ölkonzerne oder die Hersteller von Autos mit Verbrennungsmotoren als solche betrachtest
  • Dein Engagement auf P2P-Kredit-Plattformen kann dazu führen, dass finanzschwache Menschen immer tiefer im Schuldensumpf versinken
  • Immobilien-Investments können zur Gentrifizierung ganzer Stadtteile beitragen und grundsätzlich gilt: je mehr die Mieter zahlen, desto größer ist deine Rendite

Ist die Gewissensfrage geklärt, bleibt noch ein ganz wesentlicher Aspekt:

Zeitaufwand

Je nach Strategie erfordert der Vermögensausaufbau mehr oder weniger Zeitaufwand und kann sich im Extremfall sogar zum Fulltime-Job auswachsen.

Du hast die Wahl:

  • (Day)Trading: Du erwirtschaftest wenn überhaupt – nur in der Zeit eine positive Rendite, die du vor dem Rechner verbringst
  • Aktives Investieren in einzelne Aktien: Neben aufwändigen Recherchen hinsichtlich der Profitabilität von Unternehmen („stock picking“) musst die Entwicklung der Kurse ständig im Blick haben, um vermeintlich gute Ein- respektive Ausstiegszeitpunkte zu erkennen („market timing“)
  • Passives Investieren in Einzelwerte (z.B. Dividendenstrategien): Der Aufwand fürs market timing entfällt, der fürs stock picking bleibt
  • Passives Investieren in ETFs: Ist das Portfolio einmal eingerichtet, läuft der Vermögensausaufbau weitestgehend auf Autopilot
  • Immobilien: die Auswahl geeigneter Renditeobjekte ist tendenziell zeitintensiv, der Verwaltungsaufwand im laufenden Betrieb kann (zumindest teilweise) an entsprechende Dienstleister delegiert werden

Das „Was“ – Zahlen und Fakten

Auf dieser Ebene dreht sich alles um konkrete Kennzahlen:

  • monatliche Sparrate: wie viel Geld kannst beziehungsweise willst du jeden Monat investieren?
  • Investitionsintervall: in welchen Zeitabständen nimmst du Neu-Investments vor (monatlich, quartalsweise, halbjährlich etc.)?
  • Asset-Allocation: welche Anlageklassen bilden dein Portfolio?
  • Risikolevel: wie gewichtest du risikoreiche Anlageklassen im Verhältnis zu risikoarmen?
  • Anlageprodukte: auf welche Finanzprodukte setzt du ganz konkret (Fonds, ETFs, einzelne Aktien, Anleihen etc.)?
  • Transaktions- und andere Kosten: welche Gebühren fallen bei Kauf und Verkauf deiner Investments an? Welche entstehen im Rahmen der Verwaltung?

Strategie vs Plan vs Taktik

Was unterscheidet eine Strategie von einem Plan? Und welche Rolle spielen taktische Überlegungen beim Aufbau des Vermögens?

Die Strategie

Mit ihr behält man das große Ganze im Blick. Wesentliches Merkmal einer Strategie ist, dass sie auf ein klar definiertes Ziel ausgerichtet ist.

Nehmen wir als Beispiel das Ziel „private Altersvorsorge“:

Gemeint ist, bis zum Rückzug aus dem Erwerbsleben so viel Vermögen aufgebaut zu haben, dass zusammen mit Renten- bzw. Pensionsansprüchen der gewohnte Lebensstandard auch im Alter gehalten werden kann.

Die Anlagestrategie definiert die notwendigen Eckpunkte, damit dieses Ziel erreicht werden kann.

Dazu gehören im Wesentlichen:

  1. das gewünschte Endvermögen
  2. die Länge der Ansparphase
  3. die monatliche Sparrate
  4. die Rendite auf das investierte Kapital

Dabei ist zu beachten, dass die Punkte 2, 3 und 4 sich wechselseitig beeinflussen. Je höher die erzielte Rendite, desto geringer kann die monatliche Sparrate ausfallen, um ein bestimmtes Vermögen aufzubauen.

Andererseits muss bei definierter Sparrate die Ansparphase zwangsläufig länger ausfallen, wenn die langfristige Rendite hinter den Erwartungen zurückbleibt.

Der Plan

Eine Hierarchieebene unterhalb der Strategie sind Pläne anzusiedeln. Es macht durchaus Sinn, mehrere Pläne im Rahmen einer Anlagestrategie zu verfolgen.

Ein Plan könnte die Antwort darauf geben, wie eine bestimmte Sparquote Monat für Monat zu realisieren ist.

Beispiel:

Jeweils zum Monatsersten überweise ich 300 Euro per Dauerauftrag vom Girokonto auf das Verrechnungskonto meiner Depotbank. Ich aktualisiere das Haushaltsbudget einmal pro Halbjahr und überprüfe alle Fixkosten (Abos etc.) auf Einsparpotenziale.

Ein weiterer Plan könnte sich der Herausforderung widmen, eine bestimmte Rendite zu erzielen.

Beispiel:

Ich investiere quartalsweise 900 Euro in zwei ETF-Sparpläne. Gemäß der gewählten Asset-Allocation von 66 Prozent Aktien und 34 Prozent Anleihen gehen 600 Euro in einen MSCI World ETF und 300 Euro in einen ETF mit europäischen Staatsanleihen (Investment-Grade).

Die Taktik

Mit einem Arsenal unterschiedlicher Taktiken lässt sich auf kurzfristige Ereignisse reagieren, ohne dass dafür bestehende Pläne geändert oder gar die gesamte Anlagestrategie in Frage gestellt werden muss.

Für die folgenden Szenarien sollte sich jeder Anleger eine Taktik überlegen:

  • Was tun bei ungeplanten Mehrausgaben wie zum Beispiel einer kostspieligen Autoreparatur?
  • Was tun im Falle einer Erbschaft?
  • Was tun bei Gehaltserhöhungen oder (unverhofften) Steuerrückerstattungen?
  • Was tun bei kurzfristigen Kursrückgängen?

Beispiele:

  • um auf ungeplante Mehrausgaben reagieren zu können, halte ich eine finanzielle Notfallreserve in Höhe von 3 Nettomonatseinkommen auf einem Tagesgeldkonto vor.
  • Sollte ich Geld erben, investiere ich mindestens 50 Prozent davon in mein Portfolio, die andere Hälfte nutze ich für Reisen oder Neuanschaffungen.
  • Bekomme ich eine Gehaltserhöhung oder eine Steuerrückerstattung, stecke ich diese Mehreinnahmen komplett ins ETF-Depot.
  • Im Fall eines kurzfristigen Kursrückgangs halte ich meine Positionen und nutze die Chance für außerplanmäßige Nachkäufe, sofern ich zu diesem Zeitpunkt Geld zur Verfügung habe (dafür nicht die finanzielle Notfallreserve knacken!)

Der wesentliche Vorteil einer Taktik besteht darin, nicht unvorbereitet in Situationen zu geraten, mit deren Eintreten man im Laufe des Lebens rechnen muss (ungeplante Mehrausgaben) beziehungsweise rechnen darf (Erbschaft oder Steuerrückerstattung).

Anpassungen der Anlagestrategie im Laufe der Zeit

Da die Strategie eng mit dem Anlageziel verknüpft ist, werden Anpassungen der Strategie demnach vor allem dann notwendig, wenn sich die Zielsetzung verändert.

Des weiteren kann eine Anpassung notwendig werden, wenn sich die finanziellen Rahmenbedingungen wesentlich verändern.

Hierbei geht es sowohl um qualitative als um quantitative Änderungen.

In die Kategorie der qualitativen Änderungen fällt zum Beispiel die Geburt eines Kindes, für das Geld angelegt werden soll. Oder der Kauf einer Immobilie, der so nicht geplant war.

Quantitative Änderungen ergeben sich beispielsweise aus beruflichen Änderungen. Ein Sabbatical kann das temporäre Pausieren eines Investmentplans erforderlich machen.

Auch der Sprung in die Selbständigkeit oder die Gründung eines Unternehmens wird in der Praxis dazu führen, neue Investitionen auszusetzen oder nach unten anzupassen.

Die Kernfrage lautet daher:

Wie kann ich meine Anlagestrategie so flexibel gestalten, dass ich bei beruflichen oder privaten Veränderungen nicht gleich alles über den Haufen werfen muss?

Jeder Anleger und jede Anlegerin muss diese Frage für sich selbst beantworten. für mich besteht die Lösung seit Jahren im passiven Investieren mit börsengehandelten Indexfonds (ETFs).

Diese Anlagestrategie ist zugleich so flexibel wie robust und damit universell geeignet für all meine Anlageziele beziehungsweise für alle Anlageziele meiner Familie.

Aufgrund ihrer Eigenschaften ist sie so etwas wie der Bambus unter den Anlagestrategien:

„Der Bambus wiegt sich im Wind und biegt sich im Sturm, aber er bricht nicht.“

Chinesisches Sprichwort

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