Artikel veröffentlicht am: 24. Mai 2018

Erfolgreiche Blogger: Kai Brückner – der Topfologe

Was war der entscheidende Moment für dich mit dem Bloggen anzufangen?

Seit Jahrzehnten koche ich sehr gerne und fast zehn Jahre habe ich auch eigenhändig im kleinen Umfang Wein angebaut – auf die Idee, aus beiden Tätigkeiten einen Food & Wine Blog abzuleiten, darauf bin ich lange nicht gekommen. Das änderte sich, als ich vor einigen Jahren das Kochbuch „Anonyme Köche“ des Foodblog-Pioniers Claudio Del Principe geschenkt bekam.

Das Buch regte mich dazu an, erstmals einen tieferen Blick in die Foodblogger-Szene zu werfen – und was ich dabei entdeckt habe, hat mich ebenso überrascht wie begeistert. Da war viel an Fachwissen und Rezept-Kompetenz am Start, es war viel Leidenschaft und Kreativität zu spüren, alles sehr beeindruckend.

Als ich dann kurze Zeit später aufgrund eines Umzuges mein Hobby „Weinmachen“ an den Nagel hängen musste, war der Entschluss schnell gefasst: „Jetzt mach’ ich einen Food & Wine Blog!“ Bis zum Start von Moderne Topfologie verging dann aber noch fast ein Jahr Vorbereitungszeit.

Gab es einen Blog, der dich inspiriert hat? Hast du Vorbilder?

Ja, an erster Stelle Claudio Del Principes Blog „Anonyme Köche“. Sehr inspirierend aufgrund ihrer Kombination von fachlicher Tiefe und persönlicher Schreibweise finde ich zudem die Foodblogs „Dinner um Acht“ und „Arthurs Tochter kocht“.

Daneben besuche ich bei meinen Streifzügen durchs Internet aber auch viele andere Blogs – ich lasse mich da gerne von einem zum anderen Blog treiben und überraschen, was es Neues zu entdecken gibt.

Wie kommst du immer wieder auf neue Themen für deinen Blog?

Die liegen im Bereich Essen und Trinken ja sozusagen auf der Straße. Meine Sammlung der noch nicht verbloggten Rezepte ist so umfangreich, damit werde ich wohl in diesem Leben nicht mehr fertig.

Jedes Jahr poppen neue Food-Trends und Themen auf und auch über Wein lässt sich endlos schreiben – es gibt unzählige Weine, Weinmacher und jedes Jahr einen ganz neuen Weinjahrgang. Die Themenfindung im meinem Blogbereich ist also wirklich ein Leichtes.

Was kennzeichnet für dich einen guten und erfolgreichen Blog?

Ein Blog ist für mich gut, wenn der Auftritt Persönlichkeit hat. Das hat zunächst einmal nichts mit einem tollen und hippen Layout zu tun, sondern mit der Stimme, die aus dem Blog heraus zu mir spricht. Diese Stimme muss sich vom Informationsrauschen im Internet abheben, muss Persönlichkeit und Charakter haben, muss identifizierbar und einmalig sein.

Wie ein Romanschriftsteller muss ein guter Blogger ein eigene Schreibe entwickeln dann ist sein Blog gut. Wenn es dem Autor dann auch noch gelingt, eine tolles Infotainment auf die Bühne zu zaubern, also eine erfrischende Verbindung aus Informationsvermittlung und Unterhaltung, und er alles als zusätzliches Bonbon auch noch (foto)grafisch gut verpackt – umso besser.

Erfolg ist meines Erachtens eine Frage sowohl des Zeitpunktes als auch des persönlichen Anspruchs. Wer mit der Bloggerei beginnt, der ist froh, wenn alles technisch halbwegs reibungslos läuft und peu à peu mehr Inhalt dazu kommt.

Mit der Zeit wird dann auch der Blick auf die Besucherzahlen für ein Erfolgsgefühl wichtiger, denn welcher Autor freut sich nicht über Leser und positive Leserreaktionen?

Ob und im welchen Umfang ich meine Erfolgsempfindung dann auch noch daran knüpfe, ob ich mit meinem Blog Geld verdiene, dass muss jeder Blogger für sich selbst festlegen.

Welche Methoden der Monetarisierung funktionieren in deinem Blog gut?

Bannerwerbung spielt bei mir momentan keine Rolle, etwas Geld kommt ab und an durch das Schreiben von gesponserten Posts rein – alles in einem sehr kleinen Umfang. Als gut erweist sich dabei, das ich Moderne Topfologie ausgehend vom Themenbereich Essen immer mehr hin zum Thema Wein geöffnet habe, denn das Gros der Kunden kommt aus dem Weinbereich.

Lohnt sich das Bloggen für dich?

Rein finanziell betrachtet nicht. Über den Daumen schätze ich, dass ich mit den Einnahmen durchs Bloggen pro Monat den Einkauf für ein Familienessen für einen Tag finanzieren kann. Viel Geld bringt das Bloggen also nicht ein, macht aber nichts, denn eine Monetarisierung stand dabei nie im Zentrum.

Moderne Topfologie ist eine Freizeitbeschäftigung neben meinem Hauptberuf, und die soll zuallererst Spaß machen. Mit meinem Beruf verdiene ich mein Geld, mit dem Bloggen ein wenig Anerkennung der Leser – und ab und an ein paar Euro, um die Investitionen in die Food-Bloggerei ein klein wenig abzufedern.

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Wie viel Arbeit muss ein Anfänger ins Bloggen investieren?

Viel! Richtig viel! Wenn Du Reichweite aufbauen möchtest, musst du den Lesern beständig neuen und möglichst hochwertigen Inhalt liefern, der nicht Nullachtfünfzehn ist. Zudem gilt es, die sozialen Kanäle, die zum Blog gehören, kontinuierlich mit Postings zu füttern. Das macht Arbeit, da geht viel Zeit drauf, selbst wenn das Bloggen vorrangig ein Hobby ist.

Soll das Bloggen für dich mehr sein, also ein echter Haupt- oder zentraler Nebenerwerb, dann ist das ein Ganztagsjob, für den du mindestens sechs Tagen in der Woche ackern musst.

Was würdest du heute anders machen?

Ein Blog ist in seiner Jugend ein kleiner Keimling, den man beständig gießen und pflegen muss, damit daraus irgendwann einmal ein Baum wird. Der einzige echte Fehler, denn man dabei machen kann, ist meines Erachtens eine Vernachlässigung der Pflege. Wenn du zu wenig an Zeit und Sorgfalt ins Bloggen investierst, dann wird du auch kein Wachstum sehen.

Mein zusätzlicher Praxistipp: Mache dir regelmäßig und nicht zu selten Sicherungen der Blog-Inhalte. Mir ist beispielsweise schon das eine ums andere Mal die Seite mit meinem „A bis Z Rezept-Register“ abgerauscht. So etwas ohne oder aus einer veralteten Sicherung wiederherzustellen, ist ebenso zeitraubend wie nervig.

Was gefällt dir am besten am Leben eines Bloggers?

Nun ja, zum einen, dass ich mich mit Themen befasse, die mich wirklich leidenschaftlich interessieren, im Fall von Moderne Topfologie also zuvorderst mit Essen und Wein. Zum anderen, dass ich frei in der Entscheidung bin, welches Thema ich wann und wie, also in welcher Form und in welchem Umfang, bearbeite.

Da redet mir keiner rein, da kann ich mich ganz frei und nach meinem persönlichen Geschmack austoben – textlich, fotografisch, gestalterisch und bei der Themenwahl.

Eine professionelle und wertschätzende Ansprache. Immer wieder erreichen mich – speziell über Agenturen – Kundenanfragen, bei denen sich mir ob des Angebotes bildlich gesprochen die Zehennägel hochrollen.

Ein Beispiel: Es werden Lebensmittel im Einkaufswert von 30 Euro angeboten, und dafür soll dann ein kreatives Rezept-Posting mit tollen Fotos und Werbung für das Lebensmittel und den Lebensmittelerzeuger oder Händler gemacht werden.

Ein Rezept entwickeln, Zutaten einkaufen, kochen, ein Fotoset aufbauen, das Essen anrichten, fotografieren, alles wieder aufräumen, die Fotos aussuchen und nachbearbeiten, einen Text schreiben, dann das gesamte Material ins Blog einstellen und über die Social Media-Kanäle teilen, das ist immenser Arbeitsaufwand – und das sollten potentielle Kooperationspartner wissen und auch entsprechend anerkennen und vergüten.

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