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Mietausfall absichern

Mietausfall lässt sich nicht wegversichern wie ein Rohrbruch — er lässt sich nur früh erkennen und schnell begrenzen. Diese abhakbare Liste führt Sie von der Mieterauswahl über Kaution und Bürgschaft bis zur Kündigung wegen Zahlungsverzugs und zur Vollstreckung. Dazu ein Ratgeber, der die beiden Fallgruppen der fristlosen Kündigung auseinanderhält und erklärt, warum die hilfsweise ordentliche Kündigung über den Erfolg entscheidet.

Stand:

Mietausfall-Checkliste

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Bei Zahlungsverzug richtig reagieren

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Dieses Werkzeug wurde nicht von einem Rechtsanwalt geprüft. Es bildet die Vorgehensweise eines langjährigen Immobilieninvestors ab, der es selbst genau so einsetzt. Es ersetzt keine Rechtsberatung.

Womit sichern Sie Mietausfall wirklich ab?

Mit drei Dingen: einer belastbaren Sicherheit im Vertrag, einer monatlichen Kontrolle des Zahlungseingangs und der Bereitschaft, beim zweiten ausgebliebenen Monat tatsächlich zu handeln. Die Kaution deckt höchstens drei Nettokaltmieten ab — sie überbrückt einen Rückstand, aber kein halbes Jahr Räumungsprozess. Der wirtschaftliche Schaden entsteht fast immer in den Monaten zwischen dem ersten Rückstand und dem Räumungstermin, und diese Strecke verkürzen Sie nur durch schnelle, formal saubere Schritte. Wer erst nach drei Monaten Rückstand reagiert, hat die Kaution rechnerisch schon aufgebraucht, bevor der erste Schriftsatz geschrieben ist.

Wie viel Sicherheit dürfen Sie verlangen — und wo liegt die Grenze?

Bei Wohnraum höchstens das Dreifache der Nettokaltmiete, also der Monatsmiete ohne die als Pauschale oder Vorauszahlung ausgewiesenen Betriebskosten. Der Mieter darf in drei gleichen Monatsraten zahlen; die erste Rate wird zu Beginn des Mietverhältnisses fällig, die weiteren mit den nächsten Mietzahlungen. Wichtig ist die Gesamtbetrachtung: Eine Bürgschaft, die Sie sich zusätzlich zur Barkaution versprechen lassen, ist eine weitere Sicherheit für dieselben Pflichten — die Summe aus beiden bleibt an die Drei-Monats-Grenze gebunden, und was darüber hinausgeht, ist als für den Mieter nachteilige Abweichung unwirksam. Und selbst wenn die Bürgschaft der Höhe nach passt: Ohne Schriftform ist sie nichts wert, denn die elektronische Erteilung der Bürgschaftserklärung ist ausdrücklich ausgeschlossen.

Warum gelten bei Gewerbemiete andere Regeln?

Weil die Schutzvorschriften für Wohnraum dort schlicht nicht gelten. § 551 BGB — die Begrenzung der Sicherheit auf drei Monatsmieten, das Ratenrecht, die Pflicht zur getrennten Anlage — gehört nicht zu den Vorschriften, die das Gesetz auf Mietverhältnisse über Grundstücke und über Räume, die keine Wohnräume sind, für entsprechend anwendbar erklärt. Im Gewerbemietvertrag können Sie die Sicherheit deshalb frei verhandeln, etwa als Bankbürgschaft über sechs Monatsmieten. Dasselbe Bild bei der Kündigung: Die Erheblichkeitsschwelle und die Schonfristzahlung des § 569 Abs. 3 BGB sind für Gewerberaum nicht anwendbar — dort gelten nur die Absätze 1 und 2 entsprechend. Ein Gewerbemieter kann eine wirksame fristlose Kündigung also nicht durch nachträgliche Zahlung aus der Welt schaffen.

Ab wann dürfen Sie wegen Zahlungsverzugs fristlos kündigen?

Es gibt zwei Fallgruppen, und sie werden regelmäßig verwechselt. Die erste: Der Mieter ist an zwei aufeinanderfolgenden Terminen mit der Miete oder einem nicht unerheblichen Teil der Miete in Verzug. Hier — und nur hier — greift die Erheblichkeitsschwelle: Der rückständige Teil ist erst dann nicht unerheblich, wenn er die Miete für einen Monat übersteigt. Die zweite Fallgruppe erfasst den Schleicher, der über einen Zeitraum von mehr als zwei Terminen immer wieder zu wenig überweist, bis der Rückstand insgesamt zwei Monatsmieten erreicht; eine zusätzliche Erheblichkeitsschwelle gibt es dort nicht. In beiden Fällen brauchen Sie keine Abmahnung. Aber Sie müssen kündigen, bevor der Mieter zahlt: Wird der Vermieter vorher befriedigt, ist die Kündigung ausgeschlossen.

Warum sollten Sie immer zusätzlich hilfsweise ordentlich kündigen?

Weil die Schonfristzahlung nur die fristlose Kündigung erledigt. Zahlt der Mieter — oder verpflichtet sich eine öffentliche Stelle zur Zahlung — spätestens zwei Monate nach Rechtshängigkeit des Räumungsanspruchs die fällige Miete und die fällige Nutzungsentschädigung, wird die fristlose Kündigung unwirksam. Der Bundesgerichtshof hat mit Urteil vom 13. Oktober 2021 (VIII ZR 91/20) entschieden, dass diese Heilungswirkung sich nicht auf die daneben erklärte ordentliche Kündigung erstreckt, und diese Linie mit Urteil vom 23. Oktober 2024 (VIII ZR 177/23) ausdrücklich bestätigt. Erklären Sie also im selben Schreiben beides: fristlos aus wichtigem Grund und hilfsweise ordentlich wegen schuldhafter, nicht unerheblicher Pflichtverletzung. Begründen Sie die ordentliche Kündigung eigenständig — Verschulden und Gewicht der Pflichtverletzung müssen aus dem Schreiben selbst hervorgehen, denn nachgeschobene Gründe zählen nur, soweit sie nachträglich entstanden sind.

Wie holen Sie das Geld nach der Kündigung noch herein?

Verbinden Sie die Räumungsklage mit der Zahlungsklage und beantragen Sie sofort die Sicherungsanordnung: Das Gericht kann den Mieter verpflichten, für die nach Rechtshängigkeit fällig werdenden Mieten Sicherheit zu leisten. Leistet er dieser Anordnung nicht Folge, kann die Räumung sogar durch einstweilige Verfügung angeordnet werden — das ist der wirksamste Hebel gegen das Aussitzen. Nach Vertragsende schuldet der Mieter keine Miete mehr, sondern Nutzungsentschädigung in Höhe der vereinbarten oder der ortsüblichen Miete, solange er Ihnen die Wohnung vorenthält. Für unstreitige Beträge ist der Mahnbescheid der schnellste Weg zum Titel, und seine Zustellung begründet zugleich Verzug. Behalten Sie dabei die regelmäßige Verjährung von drei Jahren im Blick: Sie läuft ab dem Schluss des Jahres, in dem der Anspruch entstanden ist.

Häufige Fragen

Wie hoch darf die Mietkaution bei Wohnraum sein?

Höchstens das Dreifache der auf einen Monat entfallenden Miete ohne die als Pauschale oder Vorauszahlung ausgewiesenen Betriebskosten — also drei Nettokaltmieten. Der Mieter darf in drei gleichen Monatsraten zahlen: Die erste ist zu Beginn des Mietverhältnisses fällig, die beiden anderen zusammen mit den unmittelbar folgenden Mieten. Die Kaution müssen Sie getrennt von Ihrem eigenen Vermögen anlegen; die Erträge stehen dem Mieter zu und erhöhen die Sicherheit.

Darf ich zusätzlich zur Kaution eine Bürgschaft der Eltern verlangen?

Nur innerhalb der Höchstgrenze. Sicherheiten, die Sie sich für dieselben Pflichten des Mieters versprechen lassen, werden zusammengerechnet und bleiben insgesamt auf drei Nettokaltmieten begrenzt; was darüber hinausgeht, ist als für den Mieter nachteilige Abweichung unwirksam. Kommt eine Bürgschaft in Betracht, muss sie schriftlich erteilt werden — die elektronische Form ist gesetzlich ausgeschlossen, eine E-Mail oder ein Scan genügt also nicht.

Gilt die Drei-Monats-Grenze auch bei Gewerbemiete?

Nein. Die Begrenzung der Sicherheit gehört zum Wohnraummietrecht und wird für Mietverhältnisse über Grundstücke und über Räume, die keine Wohnräume sind, nicht für entsprechend anwendbar erklärt. Bei Gewerbemiete gibt es deshalb keine gesetzliche Höchstgrenze; Kaution, Bankbürgschaft und deren Höhe sind Verhandlungssache. Auch die Erheblichkeitsschwelle und die Schonfristzahlung des Wohnraummietrechts gelten dort nicht.

Ab welchem Rückstand darf ich fristlos kündigen?

Entweder wenn der Mieter an zwei aufeinanderfolgenden Terminen mit der Miete oder einem nicht unerheblichen Teil davon in Verzug ist — nicht unerheblich ist der Teilrückstand erst, wenn er die Miete für einen Monat übersteigt. Oder wenn er über einen Zeitraum von mehr als zwei Terminen einen Rückstand angesammelt hat, der die Miete für zwei Monate erreicht; dort gilt die Erheblichkeitsschwelle nicht. Eine Abmahnung ist beim Zahlungsverzug in beiden Fällen nicht nötig.

Der Mieter zahlt nach der Kündigung alles nach — muss er trotzdem ausziehen?

Die fristlose Kündigung wird unwirksam, wenn spätestens zwei Monate nach Rechtshängigkeit des Räumungsanspruchs die fällige Miete und die fällige Nutzungsentschädigung beglichen werden oder sich eine öffentliche Stelle zur Zahlung verpflichtet. Das gilt allerdings nicht, wenn der Kündigung vor nicht länger als zwei Jahren schon einmal eine auf diese Weise unwirksam gewordene Kündigung vorausgegangen ist. Haben Sie zusätzlich hilfsweise ordentlich gekündigt, bleibt diese Kündigung von der Nachzahlung unberührt — so hat es der Bundesgerichtshof 2021 entschieden und 2024 bestätigt.

Welche Verzugszinsen kann ich auf offene Miete verlangen?

Bei einem privaten Mieter fünf Prozentpunkte über dem Basiszinssatz. Der Basiszinssatz ändert sich jeweils zum 1. Januar und 1. Juli und wird von der Deutschen Bundesbank im Bundesanzeiger bekannt gegeben. Bei Rechtsgeschäften, an denen kein Verbraucher beteiligt ist, sind es neun Prozentpunkte über dem Basiszinssatz für Entgeltforderungen, dazu eine Pauschale von 40 Euro, wenn der Schuldner kein Verbraucher ist. Ein darüber hinausgehender Schaden bleibt in beiden Fällen ersatzfähig.

Zahlt das Jobcenter die Miete direkt an mich?

Möglich ist es. Wird Grundsicherungsgeld für Unterkunft und Heizung geleistet, ist es auf Antrag der leistungsberechtigten Person direkt an den Vermieter zu zahlen. Unabhängig davon soll direkt gezahlt werden, wenn die zweckentsprechende Verwendung nicht sichergestellt ist — ausdrücklich genannt sind Mietrückstände, die zu einer außerordentlichen Kündigung berechtigen. Den Antrag stellt der Mieter; Sie können das Jobcenter aber über den Rückstand informieren. Mietschulden selbst können übernommen werden, wenn das zur Sicherung der Unterkunft gerechtfertigt ist, und sollen übernommen werden, wenn sonst Wohnungslosigkeit droht — in aller Regel als Darlehen.

Deckt meine Wohngebäudeversicherung den Mietausfall?

Nur als Folge eines versicherten Gebäudeschadens. Wird die Wohnung etwa nach einem Brand- oder Leitungswasserschaden unbewohnbar und fällt deshalb Miete aus, greift der Baustein Mietausfall — in welcher Höhe und für welche Dauer, steht in Ihren Versicherungsbedingungen. Zahlungsunfähigkeit oder Zahlungsunwilligkeit eines Mieters ist dagegen kein Gebäudeschaden und deshalb nie über die Wohngebäudeversicherung gedeckt. Dafür gibt es nur eigenständige Mietausfall- oder Mietnomaden-Policen, deren Umfang allein vom jeweiligen Bedingungswerk abhängt.

Quellen

  1. § 195 BGB — Regelmäßige Verjährungsfrist — abgerufen am 25. Juli 2026
  2. § 199 BGB — Beginn der regelmäßigen Verjährungsfrist — abgerufen am 25. Juli 2026
  3. § 247 BGB — Basiszinssatz — abgerufen am 25. Juli 2026
  4. § 286 BGB — Verzug des Schuldners — abgerufen am 25. Juli 2026
  5. § 288 BGB — Verzugszinsen und sonstiger Verzugsschaden — abgerufen am 25. Juli 2026
  6. § 543 BGB — Außerordentliche fristlose Kündigung aus wichtigem Grund — abgerufen am 25. Juli 2026
  7. § 546a BGB — Entschädigung des Vermieters bei verspäteter Rückgabe — abgerufen am 25. Juli 2026
  8. § 551 BGB — Begrenzung und Anlage von Mietsicherheiten — abgerufen am 25. Juli 2026
  9. § 556b BGB — Fälligkeit der Miete, Aufrechnungs- und Zurückbehaltungsrecht — abgerufen am 25. Juli 2026
  10. § 562 BGB — Umfang des Vermieterpfandrechts — abgerufen am 25. Juli 2026
  11. § 569 BGB — Außerordentliche fristlose Kündigung bei Wohnraum — abgerufen am 25. Juli 2026
  12. § 573 BGB — Ordentliche Kündigung des Vermieters — abgerufen am 25. Juli 2026
  13. § 578 BGB — Mietverhältnisse über Grundstücke und Räume — abgerufen am 25. Juli 2026
  14. § 766 BGB — Schriftform der Bürgschaftserklärung — abgerufen am 25. Juli 2026
  15. § 259 ZPO — Klage wegen Besorgnis nicht rechtzeitiger Leistung — abgerufen am 25. Juli 2026
  16. § 283a ZPO — Sicherungsanordnung — abgerufen am 25. Juli 2026
  17. § 688 ZPO — Zulässigkeit des Mahnverfahrens — abgerufen am 25. Juli 2026
  18. § 940a ZPO — Räumung von Wohnraum — abgerufen am 25. Juli 2026
  19. § 22 SGB II — Bedarfe für Unterkunft und Heizung — abgerufen am 25. Juli 2026
  20. § 29 II. BV — Mietausfallwagnis — abgerufen am 25. Juli 2026

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