Wie funktioniert der Zweitmarkt für geschlossene Fonds?
Am Zweitmarkt für geschlossene Fonds liefern Sie Ihren Anteil bei einer Plattform ein, nennen einen Mindestpreis in Prozent Ihrer Nominalbeteiligung, und die Plattform stellt daraus per Bietverfahren einen Kurs fest. Nach dem Zuschlag wickelt ein Treuhandkonto den Kaufpreis ab, die Fondsgesellschaft schreibt die Beteiligung um. Stand: 03.08.2026.
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Wie funktioniert der Zweitmarkt für geschlossene Fonds?
Der Zweitmarkt für geschlossene Fonds funktioniert als organisierter Handelsplatz: Sie liefern Ihren Anteil bei einer Plattform ein, nennen einen Mindestpreis in Prozent Ihrer Nominalbeteiligung, die Plattform ermittelt daraus per Bietverfahren einen Kurs, und nach dem Zuschlag wickelt ein Treuhandkonto den Kaufpreis ab, bevor die Fondsgesellschaft die Übertragung bestätigt.
Diesen eigenen Handelsplatz braucht es, weil Anteile an geschlossenen Fonds rechtlich Vermögensanlagen sind und keine Wertpapiere: Es gibt keine Börsennotierung im Wertpapiersinn und keine Stelle, die den Anteil zurücknimmt (§ 1 Abs. 2 VermAnlG, Stand 03.08.2026). Was ein Zweitmarkt grundsätzlich ist und welche Zweitmarkt-Formen es außerhalb geschlossener Fonds noch gibt, erklären wir in was ist der Zweitmarkt – dieser Artikel bleibt beim technischen Ablauf.
Bei der größten deutschen Plattform, der Fondsbörse Deutschland Beteiligungsmakler AG, tragen Sie Ihre Auftragsdaten samt Mindestpreis ein; handelstäglich um 14 Uhr werden die Gebote gesammelt und zusammengeführt (Quelle: Fondsbörse Deutschland, Stand 03.08.2026). Kommt ein Zuschlag zustande, sendet die Plattform die unterschriebenen Kauf- und Übertragungsverträge nach Zahlungseingang an die Fondsgesellschaft zur Umschreibung der Beteiligung. Eine ausführliche Schritt-für-Schritt-Anleitung mit allen Kosten aus Verkäufersicht finden Sie in geschlossene Fonds verkaufen.
Wie kommt der Kurs am Zweitmarkt zustande?
Der Kurs entsteht in einem täglichen Bietverfahren: Vorrang haben das höchste Kaufgebot und das niedrigste Verkaufsangebot (Preispriorität), bei gleich hohen Geboten entscheidet die Reihenfolge des Auftragseingangs (Zeitpriorität) (Quelle: Fondsbörse Deutschland, Stand 03.08.2026).
Die Fondsbörse Deutschland sammelt dafür handelstäglich bis 14 Uhr alle Kauf- und Verkaufsaufträge und führt sie danach zusammen. Sie ist als Handelsplatz durch die BÖAG Börsen AG, Trägergesellschaft der Börsen Düsseldorf-Hamburg-Hannover, organisiert; nach eigenen Angaben handelt sie seit 2004 rund 4.500 geschlossene Fonds und hat über vier Milliarden Euro Nominalkapital vermittelt (Quelle: Fondsbörse Deutschland, Stand 03.08.2026).
Wie niedrig die Kurse aktuell tatsächlich liegen, zeigt der Marktdurchschnitt: Im zweiten Quartal 2026 lag der Durchschnittskurs über den Gesamtmarkt bei 56,50 Prozent der Nominalbeteiligung, nach 64,54 Prozent im ersten Quartal 2026, bei 1.527 Transaktionen und 45,42 Millionen Euro Gesamtumsatz (Quelle: Fondsbörse Deutschland, Pressemitteilung vom 09.07.2026, Stand 03.08.2026). Das ist ein Marktdurchschnitt über alle gehandelten Fonds – kein Kurs für eine bestimmte Beteiligung.
Was bedeutet ein Kurs in Prozent der Nominalbeteiligung?
Ein Zweitmarktkurs bezieht sich immer auf die ursprüngliche Zeichnungssumme, nicht auf einen aktuellen Wert: Bei einer einst mit 10.000 Euro gezeichneten Beteiligung und einem Kurs von 50 Prozent erhalten Sie 5.000 Euro. Ob das angemessen ist, sagt der Kurs allein nicht.
Für eine Werteinschätzung vor dem Zuschlag rechnen Sie stattdessen den Substanzwert je Anteil: aktuelle Verkehrswerte aller Objekte des Fonds plus liquide Mittel, minus Fondsdarlehen und sonstige Verbindlichkeiten, geteilt durch das gezeichnete Kommanditkapital. Diesen Wert halten Sie dann gegen den Geld- oder Briefkurs in Prozent der Nominalbeteiligung. Die Grundlagen der Wertermittlung – Verkehrswert eines Objekts gegen tatsächlich erzielbaren Preis – erklären wir in Verkehrswert vs. Kaufpreis und im Glossar-Eintrag Verkehrswert.
Ein zweiter Abzug gehört zwingend dazu: das Nachschussrisiko. Der Kommanditist haftet Gläubigern bis zur Höhe der im Handelsregister eingetragenen Haftsumme; die Haftung ist nur ausgeschlossen, soweit die Einlage geleistet ist (§ 171 Abs. 1 HGB). Wurden Ausschüttungen aus der Substanz gezahlt, gilt die Einlage den Gläubigern gegenüber als nicht geleistet – die Haftung lebt insoweit wieder auf (§ 172 Abs. 4 Satz 1 und 2 HGB). Wer als Käufer in die Gesellschaft eintritt, haftet zusätzlich für Verbindlichkeiten aus der Zeit vor seinem Eintritt (§ 173 HGB). Die Differenz zwischen eingetragener Haftsumme und tatsächlich noch geleisteter Einlage ist der Betrag, den Käufer vom Kurs abziehen – deshalb liegt ein fairer Kurs oft deutlich unter dem rechnerischen Substanzwert.
Welche Zweitmarkt-Anbieter gibt es und was kosten sie?
Zwei Anbieter mit unterschiedlichem Handelsmodell lassen sich mit ihren Verkäufer-Kosten belegen: die Fondsbörse Deutschland Beteiligungsmakler AG mit börslichem Bietverfahren und die FHG Hanseatische Fondshandlung GmbH mit reiner Vermittlung.
| Anbieter | Handelsmodell | Verkäufer-Kosten | Stand |
|---|---|---|---|
| Fondsbörse Deutschland Beteiligungsmakler AG | Börsliches Bietverfahren (Preis-/Zeitpriorität), handelstäglich 14 Uhr, überwacht durch die BÖAG Börsen AG | 3,5 % des Kaufpreises, mindestens 495 in der jeweiligen Fondswährung | 03.08.2026 |
| FHG Hanseatische Fondshandlung GmbH | Vermittlung durch feste Ansprechpartner, kein Bietverfahren | 3,00 % des tatsächlich erzielten Kaufpreises, mindestens 400 Euro | 03.08.2026 |
Diese Übersicht vergleicht die beiden Anbieter, deren Handelsmodell und Verkäufer-Kosten in dieser Recherche mit Fundstelle belegt sind – eine Empfehlung für einen der beiden ist damit nicht verbunden. Die Wahl zwischen Bietverfahren und persönlicher Vermittlung entscheidet mit über Tempo und Verhandlungsspielraum, nicht nur über die Gebühr. Die vollständige Kostenaufstellung inklusive weiterer Entgelte für den Verkaufsprozess finden Sie in geschlossene Fonds verkaufen.
Muss die Fondsgesellschaft dem Verkauf zustimmen?
Ja: Die Übertragung eines Gesellschaftsanteils bedarf grundsätzlich der Zustimmung der anderen Gesellschafter (§ 711 Abs. 1 BGB). Bei geschlossenen Fonds ist das keine Formsache, sondern ein eigener Prüfschritt zwischen Zuschlag und Umschreibung.
Der genaue Ablauf ist Vertragslage: Gesellschaftsverträge geschlossener Fonds verlagern dieses Zustimmungsrecht meist auf die Komplementärin oder den Treuhänder, sodass ein einzelner Ansprechpartner die Übertragung prüft und bestätigt, statt jeden einzelnen Mitgesellschafter zu befragen. Wer im Treuhandmodell beteiligt ist, meldet den Wechsel zusätzlich beim Treuhänder an. Den gesellschaftsrechtlichen Weg der Übertragung im Detail – Direktbeteiligung gegenüber Treuhandmodell – erklären wir in KG-Beteiligung verkaufen; hier zählt nur, dass diese Zustimmung fester Bestandteil jeder Zweitmarkt-Transaktion ist und den Zeitpunkt der wirtschaftlichen Übertragung mitbestimmt.
Warum liegt der Kurs oft weit unter 100 Prozent?
Weil Käufer das Nachschussrisiko aus der Haftung einpreisen: Ausschüttungen, die aus der Substanz statt aus laufenden Gewinnen gezahlt wurden, lassen die Haftung des Kommanditisten wieder aufleben – und dieses Risiko übernimmt der Käufer beim Eintritt in die Gesellschaft mit.
Rechtlich haftet der Kommanditist Gläubigern der Gesellschaft bis zur Höhe seiner im Handelsregister eingetragenen Haftsumme; ausgeschlossen ist die Haftung nur, soweit die vereinbarte Einlage tatsächlich geleistet ist (§ 171 Abs. 1 HGB). Wird die Einlage durch Ausschüttungen zurückbezahlt, gilt sie den Gläubigern gegenüber als nicht geleistet (§ 172 Abs. 4 Satz 1 HGB) – die Haftung lebt in dieser Höhe wieder auf. Wer als Kommanditist neu in eine bestehende Gesellschaft eintritt, haftet zusätzlich für Verbindlichkeiten aus der Zeit vor seinem Eintritt, eine abweichende Vereinbarung wirkt gegenüber Gläubigern nicht (§ 173 HGB). Ein niedriger Kurs kann also ein reales Risiko abbilden statt ein Schnäppchen zu sein – der Marktdurchschnitt von 56,50 Prozent im zweiten Quartal 2026 (Quelle: Fondsbörse Deutschland, Stand 03.08.2026) zeigt, wie verbreitet deutliche Abschläge im aktuellen Marktumfeld sind.
Wie läuft die Abwicklung nach dem Zuschlag ab?
Nach dem Zuschlag zahlt der Käufer den Kaufpreis auf ein Treuhandkonto der Plattform ein; erst danach gehen die unterschriebenen Kauf- und Übertragungsverträge an die Fondsgesellschaft zur Umschreibung der Beteiligung (Quelle: Fondsbörse Deutschland, Stand 03.08.2026).
Bei Direktkommanditisten kommt ein weiterer Schritt hinzu: Ein- und Austritt eines Kommanditisten sind zum Handelsregister anzumelden (§ 162 Abs. 2 HGB). Beim Treuhandmodell entfällt dieser Registerschritt, weil formal der Treuhänder im Handelsregister steht und nur der Treuhandvertrag den Wechsel dokumentiert. Eine allgemeingültige Frist für die gesamte Abwicklung veröffentlichen die Zweitmarkt-Betreiber nicht – wie lange es dauert, hängt von der Prüfung durch die Fondsgesellschaft und den Stichtagsregelungen im jeweiligen Gesellschaftsvertrag ab.
Kann ich meinen Anteil auch ohne Plattform direkt verkaufen?
Ja, ein Direktverkauf an einen selbst gefundenen Käufer ist möglich – die Zustimmungspflicht der Fondsgesellschaft nach § 711 Abs. 1 BGB gilt dabei genauso wie beim Verkauf über eine Plattform.
Der Unterschied liegt beim Preis: Eine Plattform liefert über das Bietverfahren einen beobachtbaren Marktkurs, an dem Sie sich orientieren können. Beim Direktverkauf fehlt dieser Vergleichsmaßstab, Sie handeln den Preis allein mit einem einzigen Käufer aus – die Substanzwert-Rechnung aus dem vorigen Abschnitt wird dann zur wichtigsten Orientierung. Verwechseln Sie den Verkauf nicht mit der Kündigung der Beteiligung: Eine ordentliche Kündigung richtet sich nach den Regeln des jeweiligen Gesellschaftsvertrags, nicht nach dem Zweitmarkt – mehr dazu in Immobilienfonds kündigen.
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Zweitmarkt-Prüfliste kostenlos nutzenHäufige Fragen
Wie hoch war der durchschnittliche Zweitmarktkurs zuletzt?
Im zweiten Quartal 2026 lag der Durchschnittskurs über den Gesamtmarkt bei 56,50 Prozent der Nominalbeteiligung, nach 64,54 Prozent im ersten Quartal 2026. In diesem Zeitraum wurden 1.527 Transaktionen mit einem Gesamtumsatz von 45,42 Millionen Euro abgewickelt (Quelle: Fondsbörse Deutschland, Pressemitteilung vom 09.07.2026, Stand 03.08.2026). Der Wert ist ein Marktdurchschnitt, kein Kurs für einen bestimmten Fonds.
Wer entscheidet, welches Gebot den Zuschlag erhält?
Bei der Fondsbörse Deutschland entscheidet die Preispriorität: Das höchste Kaufgebot und das niedrigste Verkaufsangebot erhalten Vorrang. Bei gleich hohen Geboten gibt die Reihenfolge des Auftragseingangs den Ausschlag, die Zeitpriorität. Gebote werden handelstäglich bis 14 Uhr gesammelt und dann zusammengeführt (Quelle: Fondsbörse Deutschland, Stand 03.08.2026).
Was kostet der Verkauf über die Fondsbörse Deutschland?
Die Fondsbörse Deutschland Beteiligungsmakler AG berechnet Verkäufern 3,5 Prozent des Kaufpreises, mindestens jedoch 495 in der jeweiligen Fondswährung (Quelle: Fondsbörse Deutschland, Stand 03.08.2026). Der Handel läuft über ein tägliches Bietverfahren mit Preis- und Zeitpriorität, nicht über einen Festpreis. Weitere Kostenpunkte wie Fremdwährungs- oder Teilausführungsentgelte weist die Plattform gesondert aus.
Was kostet der Verkauf über die FHG Hanseatische Fondshandlung?
FHG berechnet Verkäufern eine Courtage von 3,00 Prozent des tatsächlich erzielten Kaufpreises, mindestens jedoch 400 Euro (Quelle: FHG Zweitmarkt, Stand 03.08.2026). FHG arbeitet als Vermittler mit festem Ansprechpartner statt mit einem börslichen Bietverfahren; ein Zuschlag nach Preis- und Zeitpriorität wie bei der Fondsbörse Deutschland findet hier nicht statt.
Warum braucht der Verkauf die Zustimmung der Fondsgesellschaft?
Die Übertragung eines Gesellschaftsanteils bedarf grundsätzlich der Zustimmung der anderen Gesellschafter (§ 711 Abs. 1 BGB). In der Praxis verlagern Gesellschaftsverträge dieses Recht meist auf die Komplementärin oder den Treuhänder, sodass ein einzelner Ansprechpartner den Verkauf prüft und bestätigt, statt jeden Mitgesellschafter einzeln zu befragen.
Wie lange dauert die Übertragung eines Anteils?
Eine allgemeingültige Frist veröffentlichen die Zweitmarkt-Betreiber nicht. Die Dauer hängt von der Prüfung durch die Fondsgesellschaft und den Stichtagsregelungen im Gesellschaftsvertrag ab, bei Direktkommanditisten zusätzlich von der Anmeldung zum Handelsregister (§ 162 Abs. 2 HGB). Beim Treuhandmodell entfällt dieser Registerschritt.
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RatgeberQuellen
- § 711 BGB — Übertragung und Übergang von Gesellschaftsanteilen — abgerufen am 3. August 2026
- § 171 HGB — Haftung des Kommanditisten — abgerufen am 3. August 2026
- § 172 HGB — Haftsumme des Kommanditisten — abgerufen am 3. August 2026
- § 173 HGB — Eintritt eines Kommanditisten — abgerufen am 3. August 2026
- § 162 HGB — Anmeldung von Kommanditisten — abgerufen am 3. August 2026
- § 1 VermAnlG — Anwendungsbereich und Begriffsbestimmungen — abgerufen am 3. August 2026
- Fondsbörse Deutschland — Fonds verkaufen (Ablauf und Kosten) — abgerufen am 3. August 2026
- Fondsbörse Deutschland — Fonds kaufen (Bietverfahren und Kursermittlung) — abgerufen am 3. August 2026
- Fondsbörse Deutschland — Wie funktioniert's (Verkaufsauftrag) — abgerufen am 3. August 2026
- Fondsbörse Deutschland — Über uns — abgerufen am 3. August 2026
- Fondsbörse Deutschland — Presse: Stabiler Zweitmarkthandel in Q2; Immobilienbeteiligungen suchen Richtung (09.07.2026) — abgerufen am 3. August 2026
- FHG Zweitmarkt — Startseite — abgerufen am 3. August 2026
- FHG Zweitmarkt — Konditionen Verkäufer — abgerufen am 3. August 2026