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Gemeinsamer Mietvertrag, einer zieht aus: Vorlage für die Entlassung aus dem Mietvertrag

Aus einem gemeinsamen Mietvertrag kommt ein Mieter nur über eine schriftliche dreiseitige Entlassungsvereinbarung zwischen Vermieter, ausziehendem und bleibendem Mieter heraus — ein Anspruch darauf besteht nicht, denn die Vertragsänderung braucht nach § 311 Abs. 1 BGB die Zustimmung aller Beteiligten. Wer ohne diese Vereinbarung auszieht, haftet als Gesamtschuldner weiter für Miete und Nebenkosten (§ 421 BGB).

Stand:

Wie kommt ein Mieter aus dem gemeinsamen Mietvertrag heraus, wenn er auszieht?

Nur über eine schriftliche dreiseitige Entlassungsvereinbarung zwischen Vermieter, ausziehendem und bleibendem Mieter — der Auszug selbst ändert am Mietvertrag nichts. Solange sie nicht unterschrieben ist, bleiben beide Namen im Vertrag stehen und haften weiter als Gesamtschuldner für die volle Miete (§ 421 BGB, Stand 03.08.2026).

Erst die Unterschrift aller drei Parteien — oder eine gesetzliche Ausnahme wie bei Scheidung — beendet die Mieterstellung des Ausziehenden rechtlich. Der Konflikt-Fall, in dem der Mitmieter gar nicht kündigen will, wird im Ratgeber Gemeinsamer Mietvertrag: Einer will nicht kündigen behandelt.

Habe ich einen Anspruch darauf, aus dem Mietvertrag entlassen zu werden?

Nein — einen gesetzlichen Anspruch auf Entlassung aus dem Mietvertrag gibt es nicht. Die Entlassung ist eine Vertragsänderung und braucht nach § 311 Abs. 1 BGB die Zustimmung aller Beteiligten, auch die des Vermieters (Stand 03.08.2026).

Zwei eng begrenzte gesetzliche Ausnahmen gibt es ohne Zustimmung des Vermieters: Stirbt einer von mehreren Mietern, die als Ehegatten, Lebenspartner oder mit gemeinsamem Haushalt lebende Familienangehörige gemeinsam Mieter waren (Personen im Sinne des § 563 BGB), wird das Mietverhältnis automatisch mit den überlebenden Mitmietern fortgesetzt (§ 563a Abs. 1 BGB) — bei einer gewöhnlichen WG ohne diese Angehörigen- oder Haushaltsbeziehung greift die Ausnahme nicht. Und wird im Scheidungsverfahren die Ehewohnung einem Partner zugewiesen, scheidet der andere kraft Gesetzes aus dem Mietverhältnis aus (§ 1568a Abs. 3 BGB, mehr dazu unten).

Was muss in der dreiseitigen Entlassungsvereinbarung stehen?

Fünf Bausteine gehören in jede dreiseitige Entlassungsvereinbarung. Das folgende Grundmuster ist kostenlos und zum Kopieren gedacht — füllen Sie die Klammern mit Ihren Angaben:

  1. Parteien: „Zwischen [Vermieter, Anschrift], [bisheriger Mieter 1] und [bisheriger Mieter 2] wird zum Mietvertrag vom [Datum] über die Wohnung in [Adresse] folgende Vereinbarung getroffen: [Name des ausziehenden Mieters] scheidet aus dem Mietverhältnis aus. [Name des bleibenden Mieters] setzt das Mietverhältnis allein fort.“ — Grund: Die Vertragsänderung braucht nach § 311 Abs. 1 BGB alle Beteiligten — deshalb stehen Vermieter und beide Mieter namentlich im Text.
  2. Entlassungszeitpunkt: „Die Entlassung wird wirksam zum [Datum]. Ab diesem Zeitpunkt haftet [Name des ausziehenden Mieters] nicht mehr für künftig fällig werdende Miet- und Nebenkostenforderungen.“ — Grund: Ohne festen Stichtag bleibt unklar, wann die Gesamtschuld endet — bis dahin darf der Vermieter die volle Miete von jedem fordern (§ 421 BGB).
  3. Kautionsregelung: „Die Kaution in Höhe von [Betrag] verbleibt beim Vermieter. [Name des bleibenden Mieters] erstattet [Name des ausziehenden Mieters] dessen Anteil in Höhe von [Betrag] bis zum [Datum].“ — Grund: Die Kaution darf höchstens das Dreifache der Nettokaltmiete betragen (§ 551 Abs. 1 BGB, Stand 03.08.2026) und bleibt bei laufendem Vertrag beim Vermieter — ohne diese Klausel bleibt der Ausgezogene auf seinem Anteil sitzen.
  4. Haftungsentlassung inkl. Nebenkosten-Stichtag: „Der Vermieter entlässt [Name des ausziehenden Mieters] mit Wirkung zum [Datum] aus allen Verpflichtungen, die danach entstehen. Für Abrechnungen bis zum Zeitraum [Jahr] bleibt [Name des ausziehenden Mieters] erreichbar.“ — Grund: Eine Betriebskostenabrechnung darf dem Mieter bis zu zwölf Monate nach Ende des Abrechnungszeitraums zugehen (§ 556 Abs. 3 BGB, Stand 03.08.2026); ohne diesen Baustein bleibt offen, wie lange er erreichbar sein muss.
  5. Unterschriften: „Ort, Datum, Unterschrift Vermieter — Ort, Datum, Unterschrift ausziehender Mieter — Ort, Datum, Unterschrift bleibender Mieter.“ — Grund: Schriftform ist nicht zwingend, aber der einzige klare Beweis, dass alle zugestimmt haben.

Ein unterschriftsfertiges PDF mit diesen Bausteinen erstellt das Dokumentenpaket Mitmieter zieht aus — Check & Dokumente; der rechtliche Check zur Einordnung Ihres Falls ist kostenlos.

Wie läuft die Entlassung aus dem Mietvertrag Schritt für Schritt ab?

Sechs Schritte führen von der Idee bis zur wirksamen Entlassung; eine gesetzliche Bearbeitungsfrist gibt es dafür nicht (Stand 03.08.2026).

SchrittWas passiertRechtsgrundlage/Hinweis
1. Gespräch mit dem VermieterSie fragen aktiv nach der Zustimmung§ 311 Abs. 1 BGB: Zustimmung ist Voraussetzung
2. Entlassungsvereinbarung erstellenDreiseitiger Text nach dem Grundmuster obenFormfrei möglich, Schriftform dringend empfohlen
3. Kautionsanteil klärenBleibender und ausziehender Mieter regeln den internen Ausgleich§ 551 Abs. 1 BGB (Höchstgrenze der Kaution)
4. Alle drei unterschreibenVermieter, ausziehender und bleibender Mieter unterzeichnenSchriftform gesetzlich nicht zwingend, aber einziger eindeutiger Beweis
5. Vertragsänderung wird wirksamAb dem vereinbarten Stichtag endet die Haftung des Ausgezogenen§ 421 BGB: bis dahin bleibt die Gesamtschuld bestehen
6. Nebenkosten-Stichtag im Blick behaltenAbrechnungen für Zeiträume vor dem Auszug können noch nachkommen§ 556 Abs. 3 BGB: Frist von zwölf Monaten nach Abrechnungszeitraum

Was passiert mit der Kaution, wenn einer auszieht?

Die Kaution bleibt beim Vermieter und wird nicht anteilig ausgezahlt, solange das Mietverhältnis mit dem verbleibenden Mieter weiterläuft — er zahlt sie erst am Ende des gesamten Mietverhältnisses zurück. Der Ausgleich zwischen den Mietern ist reine Innenverhältnis-Sache und gehört als eigener Baustein in die Vereinbarung.

Die Kaution darf höchstens das Dreifache der Nettokaltmiete betragen (§ 551 Abs. 1 BGB, Stand 03.08.2026). Details zur Rückzahlungsfrist erklärt der Ratgeber Mietkaution: Rückzahlungsfrist.

Wer haftet nach dem Auszug für Nebenkosten-Nachzahlungen?

Ohne Entlassungsvereinbarung haften beide Mieter als Gesamtschuldner weiter — der Vermieter darf eine Nachzahlung nach seinem Belieben ganz oder teilweise von jedem der beiden fordern, unabhängig davon, wer ausgezogen ist (§ 421 BGB, Stand 03.08.2026). Intern können die Mieter Ausgleich verlangen, im Zweifel zu gleichen Teilen (§ 426 Abs. 1 und 2 BGB).

Der Vermieter muss die Betriebskostenabrechnung spätestens zwölf Monate nach Ende des Abrechnungszeitraums zustellen, danach sind Nachforderungen grundsätzlich ausgeschlossen (§ 556 Abs. 3 BGB). Deshalb sollte die Entlassungsvereinbarung einen Nebenkosten-Stichtag festhalten — sonst bleibt der Ausgezogene bis zu einem Jahr erreichbar. Details erklärt der Ratgeber Nebenkostenabrechnung: Frist.

Was kann ich tun, wenn der Vermieter die Entlassung ablehnt?

Erzwingen lässt sich die Entlassung nicht — ohne Zustimmung des Vermieters bleiben beide Namen im Mietvertrag und beide haften weiter gesamtschuldnerisch. Als Alternative bleibt die gemeinsame Kündigung durch beide Mieter: spätestens am dritten Werktag eines Kalendermonats zum Ablauf des übernächsten Monats, und diese Frist darf zum Nachteil der Mieter nicht verkürzt werden (§ 573c Abs. 1 und 4 BGB, Stand 03.08.2026).

Danach kann der bleibende Mieter einen neuen eigenen Vertrag abschließen — Formulierungshilfen bietet der Ratgeber Mietvertrag umschreiben, für einen Nachmieter der Ratgeber Nachmieter stellen. Bei anhaltendem Streit hilft der Mieterverein oder ein Fachanwalt für Mietrecht.

Welche Sonderregeln gelten bei Trennung und Scheidung?

Nur für verheiratete Paare gibt es einen echten gesetzlichen Automatismus: Wird die Ehewohnung im Scheidungsverfahren einem Ehegatten zugewiesen, setzt dieser das gemeinsame Mietverhältnis allein fort — mit Zugang der Mitteilung an den Vermieter oder mit Rechtskraft der gerichtlichen Zuweisungsentscheidung, ganz ohne Zustimmung des Vermieters (§ 1568a Abs. 1 und 3 BGB, Stand 03.08.2026).

Für unverheiratete Paare und WGs gilt dieser Automatismus nicht — nur die freiwillige Entlassungsvereinbarung bleibt hier der Weg. Wie sich Auszug, Hausrat und Kostenausgleich bei einer Trennung sonst regeln lassen, beschreibt der Ratgeber Trennung bei gemeinsamer Wohnung; für WGs eignet sich zusätzlich der Ratgeber WG-Mietvertrag: Muster.

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Häufige Fragen

Habe ich einen Anspruch darauf, aus dem Mietvertrag entlassen zu werden?

Nein. Die Entlassung ist eine Vertragsänderung und braucht nach § 311 Abs. 1 BGB die Zustimmung aller Beteiligten, auch des Vermieters (Stand 03.08.2026). Zwei eng begrenzte Ausnahmen bestehen ohne diese Zustimmung: die Fortsetzung mit überlebenden Mitmietern beim Tod eines Mieters, aber nur bei Ehegatten, Lebenspartnern oder Familienangehörigen mit gemeinsamem Haushalt (§ 563a i. V. m. § 563 BGB — eine gewöhnliche WG reicht nicht), sowie die Wohnungszuweisung bei Scheidung (§ 1568a BGB).

Reicht es, wenn nur einer von uns den Mietvertrag kündigt?

Nein. Bei einem gemeinsamen Mietvertrag bilden alle Mieter zusammen eine einzige Vertragspartei — eine Kündigung wirkt deshalb nur, wenn alle Mieter sie gemeinsam erklären. Kündigt nur einer, bleibt der Vertrag mit allen ursprünglichen Mietern unverändert bestehen, samt der vollen Haftung als Gesamtschuldner nach § 421 BGB (Stand 03.08.2026).

Muss die Entlassungsvereinbarung schriftlich sein?

Gesetzlich vorgeschrieben ist die Schriftform für die Entlassungsvereinbarung selbst nicht, dringend zu empfehlen ist sie trotzdem. Nur eine von allen drei Parteien unterschriebene schriftliche Fassung belegt eindeutig, ab wann die Haftung endet, wie die Kaution aufgeteilt wird und wer für welche Nebenkosten noch geradesteht (Stand 03.08.2026).

Wie lange dauert die Entlassung aus dem gemeinsamen Mietvertrag?

Eine gesetzliche Bearbeitungsfrist gibt es dafür nicht (Stand 03.08.2026). Wie lange es dauert, hängt allein davon ab, wie schnell der Vermieter zustimmt — anders als bei der Kündigung, für die feste gesetzliche Fristen gelten. Eine vollständig vorgelegte Vereinbarung beschleunigt die Entscheidung meist.

Gilt bei Trennung oder Scheidung eine Sonderregel für die Ehewohnung?

Ja, aber nur für verheiratete Paare: Wird die Ehewohnung im Scheidungsverfahren einem Ehegatten zugewiesen, setzt dieser das gemeinsame Mietverhältnis automatisch allein fort, ohne dass der Vermieter zustimmen muss (§ 1568a Abs. 1 und 3 BGB, Stand 03.08.2026). Unverheiratete Paare und WGs haben diesen Automatismus nicht und brauchen die freiwillige Entlassungsvereinbarung.

Wer bekommt die Nebenkosten-Nachzahlung oder das Guthaben nach dem Auszug?

Solange keine Entlassungsvereinbarung mit einem klaren Nebenkosten-Stichtag besteht, kann der Vermieter eine Nachzahlung von jedem der beiden Mieter als Gesamtschuldner verlangen (§ 421 BGB) — er muss dabei bis zu zwölf Monate nach Ende des Abrechnungszeitraums abrechnen (§ 556 Abs. 3 BGB). Ein Guthaben steht intern beiden anteilig zu, sofern nichts anderes vereinbart wurde (Stand 03.08.2026).

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Quellen

  1. § 311 BGB — Rechtsgeschäftliche und rechtsgeschäftsähnliche Schuldverhältnisse — abgerufen am 3. August 2026
  2. § 421 BGB — Gesamtschuldner — abgerufen am 3. August 2026
  3. § 426 BGB — Ausgleichungspflicht, Forderungsübergang — abgerufen am 3. August 2026
  4. § 551 BGB — Begrenzung und Anlage von Mietsicherheiten — abgerufen am 3. August 2026
  5. § 573c BGB — Fristen der ordentlichen Kündigung — abgerufen am 3. August 2026
  6. § 563 BGB — Eintrittsrecht bei Tod des Mieters — abgerufen am 3. August 2026
  7. § 563a BGB — Fortsetzung mit überlebenden Mietern — abgerufen am 3. August 2026
  8. § 1568a BGB — Ehewohnung — abgerufen am 3. August 2026
  9. § 556 BGB — Vereinbarungen über Betriebskosten — abgerufen am 3. August 2026